Ein anekdotischer Aufruf zu Hoffnung und Menschlichkeit in dunklen Zeiten

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jujure2003 Avatar

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Auch in dunklen Zeiten findet sich das ein oder andere Licht. In seinen vier aufeinander aufbauenden Vorträgen für die Reith Lectures führt Rutger Bregman anhand von historischen Beispielen durch die drei Akte seiner "Predigt": Notlage, Rettung und Dankbarkeit und widmet sich im vierten Teil der Menschlichkeit.

Da es sich um eine Abschrift mündlicher Vorträge handelt, geht Die Rückkehr der Hoffnung in der Detailtiefe nicht so weit, wie andere Werke des Autors, die Anekdoten und Beispiele sind aber so gewählt, dass die Begründungen und Lösungsansätze für derzeitige Notstände wie dem Erfolg faschistischer Parteien in Europa leicht nachzuvollziehen sind.

Grundlegend ist Die Rückkehr der Hoffnung ein Plädoyer für Menschlichkeit in einer Zeit, in der diese immer weiter abhanden zu kommen scheint: Die klügsten Köpfe arbeiten daran, die Taschen der Superreichen zu füllen und der Sozialstaat wird abgebaut. Es ist aufbauend, dass die Aufzeichnung zwar in dieser Notlage beginnt, dann aber aufzeigt, wie diese auch genutzt werden kann, um aktiv daran zu arbeiten, die Geschichte zum Guten zu wenden – und das nicht nur durch Institutionen oder staatliche Intervention, sondern auch durch kleinere Gruppen engagierter Bürger*innen. Denn welche Revolution hat nicht im Kleinen angefangen?

Seine Ideen und Beschreibungen belegt Bregman anhand historischer Gegebenheiten und stellt dafür Analogien zur heutigen Zeit auf. Vor allem präsentiert er historische Persönlichkeiten oder Gruppierungen, die es an ähnlichen historischen Scheidepunkten geschafft haben, Mitmenschen so mitzureißen, dass sie das Momentum der vorherrschenden Apathie nutzen konten, um das gesellschaftliche Wohlbefinden weiter zu schwächen, oder eben doch einen Weg für eine bessere Zukunft zu ebnen.

Auf wenig Seiten schafft das Buch es so, nicht nur zu beschreiben, dass wir uns an einem solchen Scheidepunkt befinden, sondern auch zu demonstrieren, dass es ab hier in beide Richtungen gehen könnte und dass es jetzt darauf ankommt sich für den moralisch richtigen Weg zu engagieren.

Kurz gesagt: Wer eine tiegergehende Abhandlung zu den gesellschaftlichen Missständen oder eine klare Checkliste dafür, wie man sich engagieren kann, sucht, ist mit diesem Buch nich gut beraten. Wer aber einen Anstoß sucht, sich einer aufkommenden Ohnmacht bezüglich der derzeitigen Situation und der ungewissen politischen Zukunft zu widersetzen, wird in diesem kurzen Band einen guten Startpunkt finden.