Funktioniert vielleicht als Vorträge, als Buch aber mehr schlecht als Recht
Bei Rutger Bregmans „Die Rückkehr der Hoffnung“ handelt sich um die Verschriftlichung seiner vier BBC Reith Lectures. Das merkt man dem schmalen Band von gerade einmal 93 Seiten deutlich an. Seine Argumentation lebt von pointierten Thesen, historischen Beispielen und rhetorischen Zuspitzungen. Was in einem Vortrag sicherlich mitreißen kann, wirkt auf dem Papier jedoch häufig verkürzt, utopisch und recht unkonkret.
Bregman macht keinen Hehl daraus, dass seine Vortragsreihe einer Predigt ähnelt. Er strukturiert sie nach dem klassischen Dreischritt Notlage, Rettung und Dankbarkeit. Damit ist auch der Ton gesetzt: „Die Rückkehr der Hoffnung“ ist weniger eine politische Analyse als ein moralischer Appell. Bregman möchte nicht nur beschreiben, was in westlichen Gesellschaften schiefläuft. Er will seine Leserinnen und Leser zu einer moralischen Neuausrichtung bewegen.
Der erste Vortrag trägt den Titel „Eine Zeit der Monster“ und zeichnet ein ausgesprochen düsteres Bild der Gegenwart. Bregman diagnostiziert ein „Überleben der Schamlosen“. Die bestimmenden Merkmale vieler heutiger politischer Führungspersonen seien moralische Verkommenheit und mangelnde Ernsthaftigkeit. Die Skrupellosesten stiegen auf. Während die politische Rechte durch schamlose Korruption geprägt sei, leide die Linke unter lähmender Feigheit.
Bregman beginnt in den USA, wo ein erheblicher Teil der Absolventinnen und Absolventen von Eliteuniversitäten in gesellschaftlich wenig sinnvollen „Bullshit-Jobs“ lande. Anschließend richtet er den Blick auf Europa. Auch hier sieht er eine Elite, die sich durch Immoralität, mangelnde Ernsthaftigkeit und zunehmende Bedeutungslosigkeit auszeichne. Europa reguliere die Gegenwart, statt die Zukunft zu gestalten. Die Linke wiederum habe ihren früheren Fortschrittsglauben verloren, sich nach innen gewandt und in immer kleinere moralische Kreise aufgespalten, die vor allem damit beschäftigt seien, andere auszuschließen. Gleichzeitig feiere in der westlichen Welt eine faschistische Bewegung ihre Wiederauferstehung.
Bregman eröffnet seine Vortragsreihe also mit einer fast apokalyptischen Gegenwartsbeschreibung; von einer "Rückkehr der Hoffnung", wie sie der Titel des Buches andeutet, ist hier nichts zu spüren. Seine Diagnose dient allerdings vor allem dazu, die Dringlichkeit seiner Forderung zu begründen. Es brauche nicht bloß bessere politische Maßnahmen oder bessere Politikerinnen und Politiker. Notwendig sei eine moralische Revolution. Macht solle eingesetzt werden, um Gutes zu tun. Für Bregman besteht die zentrale Aufgabe unserer Zeit deshalb in der Entwicklung einer neuen „moralischen Ambition“.
Der zweite Vortrag, „Wie man eine moralische Revolution beginnt“, soll zeigen, dass eine solche Veränderung möglich ist. Bregman warnt davor, dass derzeit zahlreiche radikale Ideologen auf ihren historischen Moment warteten. Ihre Macht wachse vor allem deshalb, weil die bestehenden Alternativen so unglaubwürdig seien. Dem setzt er die These entgegen, dass eine kleine Zahl entschlossener Menschen den "Bogen der Geschichte zur Gerechtigkeit hin biegen" könne.
Als Beispiel dient ihm der britische Abolitionismus. Die Bewegung gegen den Sklavenhandel erschien zunächst aussichtslos, gerade weil Großbritannien selbst eines der brutalsten Sklavenimperien errichtet hatte. Bregman interessiert sich besonders für die Gründer der British Society for the Abolition of the Slave Trade. Sie nutzten ihre privilegierte Stellung, um den Lauf der Geschichte zu verändern. Darin erkennt er ein Modell moralischer Ambition.
Hier liegt eine der ungewöhnlichsten und produktivsten Thesen des Buches. Bregman fordert nicht nur den Widerstand der gesellschaftlichen Basis gegen die Eliten. Er fordert eine neue Elite. Gemeint sind Menschen, die tatsächlich etwas zu verlieren haben und dennoch bereit sind, ihr Vermögen, ihre Stellung, ihre Netzwerke oder ihren Einfluss einzusetzen, um substanzielle Veränderungen zu bewirken. In einer Zeit, in der Elitenkritik häufig bei der pauschalen Verurteilung privilegierter Gruppen stehen bleibt, ist dieser Gedanke zumindest bedenkenswert. Bregman fragt nicht nur, wer Macht besitzt, sondern wofür diese Macht verwendet wird.
Im dritten Vortrag entwirft er die Idee einer „Verschwörung der Anständigen“. Dankbarkeit bedeutet für ihn nicht nur Wertschätzung, sondern auch Nachahmung. Wer den moralischen Pionierinnen und Pionieren der Vergangenheit wirklich dankbar sei, müsse sich ihrer Tradition anschließen. Bregman fragt deshalb, wie eine solche Verschwörung heute aussehen könnte. Was kommt nach dem Neoliberalismus? Wie könnte ein wirklich radikales politisches Programm aussehen? Wer plant die nächste Verschwörung der Anständigen?
Das sind große und relevante Fragen. Das Problem besteht darin, dass Bregman sie kaum beantwortet. Gerade als der Vortrag konkret werden müsste, ist er bereits zu Ende. Übrig bleibt die Forderung nach Beharrlichkeit. Die Geschichte zeige, dass kleine Gruppen aufmerksamer und engagierter Bürgerinnen und Bürger viel bewirken könnten, sofern sie langfristig dächten.
Später behauptet Bregman rückblickend, er habe im dritten Vortrag die Lehren historischer moralischer Bewegungen zu einem Programm und einem Plan für unsere Gegenwart verarbeitet. Das überzeugt mich nicht. Ein Programm müsste benennen, welche politischen, ökonomischen oder institutionellen Veränderungen notwendig sind. Ein Plan müsste zumindest skizzieren, wie diese Veränderungen erreicht werden könnten. Bregman liefert stattdessen eine Haltung: Man soll mutig, beharrlich, moralisch ambitioniert und langfristig orientiert handeln. Das ist sympathisch, aber noch kein politisches Programm.
Der vierte Vortrag, „Der Kampf für die Menschlichkeit im Zeitalter der Maschine“, nimmt seinen Ausgang bei Bregmans jugendlicher Beschäftigung mit dem Philosophen Bertrand Russell. Die Suche nach Sinn, so Bregman, ziehe sich wie ein roter Faden durch die gesamte Vortragsreihe. Im ersten Vortrag habe er den moralischen Niedergang beschrieben, im zweiten einen Weg zur Rettung vorgezeichnet und im dritten daraus einen Plan für die Gegenwart entwickelt. Danach wechselt er noch einmal die Perspektive. Rund zehn Seiten vor dem Ende kündigt er an, die Situation nun aus der Vogelperspektive zu betrachten und sich fünf grundlegenden Fragen zuzuwenden, die jede Religion zu beantworten versuche.
Dieser Anspruch ist irritierend. Auf wenigen verbleibenden Seiten sollen plötzlich nicht nur Politik, Moral und Geschichte, sondern auch Religion, Sinn und die Grundlagen menschlicher Existenz verhandelt werden? Hier zeigt sich das Grundproblem des Buches besonders deutlich. Bregman will sehr viel. Zu viel für vier Vorträge und erst recht zu viel für 93 Seiten. Seine Gedanken werden dadurch nicht falsch, aber sie bleiben häufig Behauptungen, Anregungen oder rhetorische Gesten.
Der Schluss gehört dennoch zu den stärkeren Passagen. Bregman beschreibt ein zweigeteiltes Verständnis menschlichen Handelns. Wenn wir andere Menschen betrachten, sollten wir nach den Ursachen ihres Verhaltens fragen und ihnen nicht mit vorschnellen Schuldzuweisungen, sondern mit Verständnis begegnen. Wenn wir dagegen in den Spiegel schauen, sollten wir unsere eigene Handlungsfreiheit erkennen. Gegenüber anderen gilt Nachsicht, gegenüber uns selbst Verantwortung. Diese Verbindung aus strukturellem Verständnis und persönlicher Selbstverpflichtung ist überzeugend.
Doch auch hier endet Bregman schließlich mit einem pathetischen Appell zum Voranschreiten. Das passt zum Charakter einer Predigt, ersetzt aber keine Konkretisierung. Seine Lektionen aus der Geschichte sollen zeigen, dass Dekadenz zu Erneuerung führen kann, dass moralische Revolutionen möglich sind und dass unsere Zukunft davon abhängt, was uns heilig ist. Das klingt eindringlich. Was daraus praktisch folgt, bleibt weitgehend offen.
Als eigenständiges Buch ist „Die Rückkehr der Hoffnung“ deshalb nur bedingt überzeugend. Die Gegenwartsdiagnose ist stark zugespitzt, die historischen Beispiele werden selektiv eingesetzt und die politischen Konsequenzen bleiben vage. Wer konkrete Vorschläge für eine postneoliberale Ordnung oder eine Strategie gegen den Aufstieg autoritärer Bewegungen erwartet, wird enttäuscht.
Anders liest sich der Band, wenn man Bregmans frühere Bücher kennt. Nach „Im Grunde gut“ (das ich zuletzt gelesen habe) erscheint „Die Rückkehr der Hoffnung“ wie eine verdichtete Zusammenfassung seiner zentralen Überzeugungen: Menschen sind zu Kooperation und moralischem Handeln fähig. Kleine Gruppen können historische Veränderungen anstoßen. Privilegien begründen Verantwortung. Gesellschaftlicher Fortschritt beginnt mit der Bereitschaft, das vermeintlich Unveränderbare nicht länger hinzunehmen.
Als Einführung in dieses Denken ist das Buch zu knapp. Als pointierte Zuspitzung eines bereits bekannten Werks besitzt es dagegen einen gewissen Reiz. „Die Rückkehr der Hoffnung“ liefert keine politische Landkarte und schon gar keinen belastbaren Fahrplan. Es ist eher ein moralischer Weckruf. Ob dieser Hoffnung erzeugt oder vor allem den Wunsch nach mehr analytischer Tiefe weckt, dürfte wesentlich davon abhängen, wie vertraut man mit Bregmans Denken bereits ist.
Bregman macht keinen Hehl daraus, dass seine Vortragsreihe einer Predigt ähnelt. Er strukturiert sie nach dem klassischen Dreischritt Notlage, Rettung und Dankbarkeit. Damit ist auch der Ton gesetzt: „Die Rückkehr der Hoffnung“ ist weniger eine politische Analyse als ein moralischer Appell. Bregman möchte nicht nur beschreiben, was in westlichen Gesellschaften schiefläuft. Er will seine Leserinnen und Leser zu einer moralischen Neuausrichtung bewegen.
Der erste Vortrag trägt den Titel „Eine Zeit der Monster“ und zeichnet ein ausgesprochen düsteres Bild der Gegenwart. Bregman diagnostiziert ein „Überleben der Schamlosen“. Die bestimmenden Merkmale vieler heutiger politischer Führungspersonen seien moralische Verkommenheit und mangelnde Ernsthaftigkeit. Die Skrupellosesten stiegen auf. Während die politische Rechte durch schamlose Korruption geprägt sei, leide die Linke unter lähmender Feigheit.
Bregman beginnt in den USA, wo ein erheblicher Teil der Absolventinnen und Absolventen von Eliteuniversitäten in gesellschaftlich wenig sinnvollen „Bullshit-Jobs“ lande. Anschließend richtet er den Blick auf Europa. Auch hier sieht er eine Elite, die sich durch Immoralität, mangelnde Ernsthaftigkeit und zunehmende Bedeutungslosigkeit auszeichne. Europa reguliere die Gegenwart, statt die Zukunft zu gestalten. Die Linke wiederum habe ihren früheren Fortschrittsglauben verloren, sich nach innen gewandt und in immer kleinere moralische Kreise aufgespalten, die vor allem damit beschäftigt seien, andere auszuschließen. Gleichzeitig feiere in der westlichen Welt eine faschistische Bewegung ihre Wiederauferstehung.
Bregman eröffnet seine Vortragsreihe also mit einer fast apokalyptischen Gegenwartsbeschreibung; von einer "Rückkehr der Hoffnung", wie sie der Titel des Buches andeutet, ist hier nichts zu spüren. Seine Diagnose dient allerdings vor allem dazu, die Dringlichkeit seiner Forderung zu begründen. Es brauche nicht bloß bessere politische Maßnahmen oder bessere Politikerinnen und Politiker. Notwendig sei eine moralische Revolution. Macht solle eingesetzt werden, um Gutes zu tun. Für Bregman besteht die zentrale Aufgabe unserer Zeit deshalb in der Entwicklung einer neuen „moralischen Ambition“.
Der zweite Vortrag, „Wie man eine moralische Revolution beginnt“, soll zeigen, dass eine solche Veränderung möglich ist. Bregman warnt davor, dass derzeit zahlreiche radikale Ideologen auf ihren historischen Moment warteten. Ihre Macht wachse vor allem deshalb, weil die bestehenden Alternativen so unglaubwürdig seien. Dem setzt er die These entgegen, dass eine kleine Zahl entschlossener Menschen den "Bogen der Geschichte zur Gerechtigkeit hin biegen" könne.
Als Beispiel dient ihm der britische Abolitionismus. Die Bewegung gegen den Sklavenhandel erschien zunächst aussichtslos, gerade weil Großbritannien selbst eines der brutalsten Sklavenimperien errichtet hatte. Bregman interessiert sich besonders für die Gründer der British Society for the Abolition of the Slave Trade. Sie nutzten ihre privilegierte Stellung, um den Lauf der Geschichte zu verändern. Darin erkennt er ein Modell moralischer Ambition.
Hier liegt eine der ungewöhnlichsten und produktivsten Thesen des Buches. Bregman fordert nicht nur den Widerstand der gesellschaftlichen Basis gegen die Eliten. Er fordert eine neue Elite. Gemeint sind Menschen, die tatsächlich etwas zu verlieren haben und dennoch bereit sind, ihr Vermögen, ihre Stellung, ihre Netzwerke oder ihren Einfluss einzusetzen, um substanzielle Veränderungen zu bewirken. In einer Zeit, in der Elitenkritik häufig bei der pauschalen Verurteilung privilegierter Gruppen stehen bleibt, ist dieser Gedanke zumindest bedenkenswert. Bregman fragt nicht nur, wer Macht besitzt, sondern wofür diese Macht verwendet wird.
Im dritten Vortrag entwirft er die Idee einer „Verschwörung der Anständigen“. Dankbarkeit bedeutet für ihn nicht nur Wertschätzung, sondern auch Nachahmung. Wer den moralischen Pionierinnen und Pionieren der Vergangenheit wirklich dankbar sei, müsse sich ihrer Tradition anschließen. Bregman fragt deshalb, wie eine solche Verschwörung heute aussehen könnte. Was kommt nach dem Neoliberalismus? Wie könnte ein wirklich radikales politisches Programm aussehen? Wer plant die nächste Verschwörung der Anständigen?
Das sind große und relevante Fragen. Das Problem besteht darin, dass Bregman sie kaum beantwortet. Gerade als der Vortrag konkret werden müsste, ist er bereits zu Ende. Übrig bleibt die Forderung nach Beharrlichkeit. Die Geschichte zeige, dass kleine Gruppen aufmerksamer und engagierter Bürgerinnen und Bürger viel bewirken könnten, sofern sie langfristig dächten.
Später behauptet Bregman rückblickend, er habe im dritten Vortrag die Lehren historischer moralischer Bewegungen zu einem Programm und einem Plan für unsere Gegenwart verarbeitet. Das überzeugt mich nicht. Ein Programm müsste benennen, welche politischen, ökonomischen oder institutionellen Veränderungen notwendig sind. Ein Plan müsste zumindest skizzieren, wie diese Veränderungen erreicht werden könnten. Bregman liefert stattdessen eine Haltung: Man soll mutig, beharrlich, moralisch ambitioniert und langfristig orientiert handeln. Das ist sympathisch, aber noch kein politisches Programm.
Der vierte Vortrag, „Der Kampf für die Menschlichkeit im Zeitalter der Maschine“, nimmt seinen Ausgang bei Bregmans jugendlicher Beschäftigung mit dem Philosophen Bertrand Russell. Die Suche nach Sinn, so Bregman, ziehe sich wie ein roter Faden durch die gesamte Vortragsreihe. Im ersten Vortrag habe er den moralischen Niedergang beschrieben, im zweiten einen Weg zur Rettung vorgezeichnet und im dritten daraus einen Plan für die Gegenwart entwickelt. Danach wechselt er noch einmal die Perspektive. Rund zehn Seiten vor dem Ende kündigt er an, die Situation nun aus der Vogelperspektive zu betrachten und sich fünf grundlegenden Fragen zuzuwenden, die jede Religion zu beantworten versuche.
Dieser Anspruch ist irritierend. Auf wenigen verbleibenden Seiten sollen plötzlich nicht nur Politik, Moral und Geschichte, sondern auch Religion, Sinn und die Grundlagen menschlicher Existenz verhandelt werden? Hier zeigt sich das Grundproblem des Buches besonders deutlich. Bregman will sehr viel. Zu viel für vier Vorträge und erst recht zu viel für 93 Seiten. Seine Gedanken werden dadurch nicht falsch, aber sie bleiben häufig Behauptungen, Anregungen oder rhetorische Gesten.
Der Schluss gehört dennoch zu den stärkeren Passagen. Bregman beschreibt ein zweigeteiltes Verständnis menschlichen Handelns. Wenn wir andere Menschen betrachten, sollten wir nach den Ursachen ihres Verhaltens fragen und ihnen nicht mit vorschnellen Schuldzuweisungen, sondern mit Verständnis begegnen. Wenn wir dagegen in den Spiegel schauen, sollten wir unsere eigene Handlungsfreiheit erkennen. Gegenüber anderen gilt Nachsicht, gegenüber uns selbst Verantwortung. Diese Verbindung aus strukturellem Verständnis und persönlicher Selbstverpflichtung ist überzeugend.
Doch auch hier endet Bregman schließlich mit einem pathetischen Appell zum Voranschreiten. Das passt zum Charakter einer Predigt, ersetzt aber keine Konkretisierung. Seine Lektionen aus der Geschichte sollen zeigen, dass Dekadenz zu Erneuerung führen kann, dass moralische Revolutionen möglich sind und dass unsere Zukunft davon abhängt, was uns heilig ist. Das klingt eindringlich. Was daraus praktisch folgt, bleibt weitgehend offen.
Als eigenständiges Buch ist „Die Rückkehr der Hoffnung“ deshalb nur bedingt überzeugend. Die Gegenwartsdiagnose ist stark zugespitzt, die historischen Beispiele werden selektiv eingesetzt und die politischen Konsequenzen bleiben vage. Wer konkrete Vorschläge für eine postneoliberale Ordnung oder eine Strategie gegen den Aufstieg autoritärer Bewegungen erwartet, wird enttäuscht.
Anders liest sich der Band, wenn man Bregmans frühere Bücher kennt. Nach „Im Grunde gut“ (das ich zuletzt gelesen habe) erscheint „Die Rückkehr der Hoffnung“ wie eine verdichtete Zusammenfassung seiner zentralen Überzeugungen: Menschen sind zu Kooperation und moralischem Handeln fähig. Kleine Gruppen können historische Veränderungen anstoßen. Privilegien begründen Verantwortung. Gesellschaftlicher Fortschritt beginnt mit der Bereitschaft, das vermeintlich Unveränderbare nicht länger hinzunehmen.
Als Einführung in dieses Denken ist das Buch zu knapp. Als pointierte Zuspitzung eines bereits bekannten Werks besitzt es dagegen einen gewissen Reiz. „Die Rückkehr der Hoffnung“ liefert keine politische Landkarte und schon gar keinen belastbaren Fahrplan. Es ist eher ein moralischer Weckruf. Ob dieser Hoffnung erzeugt oder vor allem den Wunsch nach mehr analytischer Tiefe weckt, dürfte wesentlich davon abhängen, wie vertraut man mit Bregmans Denken bereits ist.