Provokation und Pathos
Im Rahmen der BBC Reith Lectures hielt der Historiker Rutger Bregmann vier Vorträge über die Rückkehr der Moral, die in diesem 90-Seiten-Büchlein abgedruckt wurden: Bregman beginnt mit der Diagnose der Gegenwart als Überleben der Schamlosen, beschäftigt sich dann mit moralischen Revolutionen der Vergangenheit (wie etwa den Abolitionisten und den Suffragetten) sowie der erfolgreichen Verschwörung der Fabianer, um dann von einem friedlichen Kampf für Menschlichkeit im Zeitalter der Maschine zu träumen.
Doch seine Forderung, sich die Utopie anzueignen, „nicht als naive Fantasievorstellung, sondern als Bezugspunkt für die Erneuerung“ (S.65) ist vielleicht wohlklingend, aber leider ohne jede praktische Tragweite! Ich finde in dem Büchlein keine Ansätze, den Worten Taten folgen zu lassen. Es genügt nicht, andere wegen ihrer Gewinnorientierung und ihrer Bullshit-Jobs zu kritisieren, und selbst im Elfenbeinturm den eigenen jugendlichen Träumen von Utopie und friedlicher Weltverbesserung nachzuhängen. Von Abolitionisten, Suffragetten und Bürgerrechtlern zu erzählen, bringt die Welt keinen Schritt weiter.
Vielleicht ist Bregman hier auch Opfer seines Faches, denn im Anschluss an seine Analysen fehlt ein Konzept für die Zukunft, etwa ein ethisch-philosophisches Nachdenken über Maximen des Handelns, die er zwar manchmal am Rand andeutet, aber nie wirklich durchdenkt. Ebenso fehlt eine soziologische, politologische oder medienwissenschaftliche Betrachtung darüber, wie es zurzeit Populisten an den Rändern des politischen Spektrums schaffen, Leute zu begeistern und mitzunehmen, was der politischen Mitte gerade so gar nicht gelingen will. Die Bedingungen für die Mobilisierung von Bevölkerungsgruppen sind heute nun mal andere als im 19. und 20. Jahrhundert. Daher bleibt die Frage unbeantwortet, wie es gelingen kann, Menschen in der Gegenwart für eine friedliche moralische Erneuerung zu gewinnen.
Schade, nach dem starken und provokanten Einstieg ins Thema hatte ich mir mehr Konsequenz und innovatives Potential bei der Skizzierung eines Konzepts für eine bessere Zukunft erhofft. Ich habe Bregmans (oft genug von ihm erwähnten) Bücher bislang noch nicht gelesen, werde es aber nach dieser Lektüre aber wohl auch nicht mehr tun.
Doch seine Forderung, sich die Utopie anzueignen, „nicht als naive Fantasievorstellung, sondern als Bezugspunkt für die Erneuerung“ (S.65) ist vielleicht wohlklingend, aber leider ohne jede praktische Tragweite! Ich finde in dem Büchlein keine Ansätze, den Worten Taten folgen zu lassen. Es genügt nicht, andere wegen ihrer Gewinnorientierung und ihrer Bullshit-Jobs zu kritisieren, und selbst im Elfenbeinturm den eigenen jugendlichen Träumen von Utopie und friedlicher Weltverbesserung nachzuhängen. Von Abolitionisten, Suffragetten und Bürgerrechtlern zu erzählen, bringt die Welt keinen Schritt weiter.
Vielleicht ist Bregman hier auch Opfer seines Faches, denn im Anschluss an seine Analysen fehlt ein Konzept für die Zukunft, etwa ein ethisch-philosophisches Nachdenken über Maximen des Handelns, die er zwar manchmal am Rand andeutet, aber nie wirklich durchdenkt. Ebenso fehlt eine soziologische, politologische oder medienwissenschaftliche Betrachtung darüber, wie es zurzeit Populisten an den Rändern des politischen Spektrums schaffen, Leute zu begeistern und mitzunehmen, was der politischen Mitte gerade so gar nicht gelingen will. Die Bedingungen für die Mobilisierung von Bevölkerungsgruppen sind heute nun mal andere als im 19. und 20. Jahrhundert. Daher bleibt die Frage unbeantwortet, wie es gelingen kann, Menschen in der Gegenwart für eine friedliche moralische Erneuerung zu gewinnen.
Schade, nach dem starken und provokanten Einstieg ins Thema hatte ich mir mehr Konsequenz und innovatives Potential bei der Skizzierung eines Konzepts für eine bessere Zukunft erhofft. Ich habe Bregmans (oft genug von ihm erwähnten) Bücher bislang noch nicht gelesen, werde es aber nach dieser Lektüre aber wohl auch nicht mehr tun.