Wertvolle Denkanstöße

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leukam Avatar

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Rutger Bregman, der niederländische Historiker, hat 2020 mit seinem hoffnungsvoll stimmenden Buch „Im Grunde gut“ einen Bestseller gelandet. Darin stellt er die These auf, dass der Mensch von Natur aus kooperativ, freundlich und gut ist und belegt dies mit Erkenntnissen aus der Anthropologie, der Biologie und der Psychologie.
Dieser schmale Band hier, knapp 90 Seiten, versammelt vier Vorträge von ihm, die er bei den BBC Reith Lectures gehalten hat, eine Vortragsreihe der BBC, in der jährlich herausragende Persönlichkeiten bedeutende gesellschaftliche Fragen beleuchten.
Als Sohn eines Pastors weiß Rutger Bregman, wie man eine gute Predigt aufbaut: „Erster Akt: Notlage. Zweiter Akt: Rettung. Dritter Akt: Dankbarkeit.“
Nach diesem Prinzip hat er seine Vorträge aufgebaut und beginnt deshalb folgerichtig mit „Eine Zeit der Monster“. Hierin zieht er Parallelen zum spätrömischen Reich und zum Untergang Venedigs im 14. Jahrhundert. „Die römische Elite feierte, während Rom brannte. Unsere Eliten übertragen das Feuer im Livestream und machen den Rauch zu Geld.“
Weil heutzutage nicht mehr die Fähigsten aufsteigen, sondern die Skrupellosesten, haben wir moralisch verkommene politische Führer. Am auffälligsten sehen wir das in den USA, wo wir aktuell den „ korruptesten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten“ haben. ( Kleine Randbemerkung: Die BBC hat aus rechtlichen Gründen diese Passage entfernt.)
In diesem Zusammenhang bedauert er es, dass die fähigsten Köpfe ihr Talent und ihre Intelligenz nicht dazu einsetzen, die globalen Probleme zu lösen, sondern im „Bermudadreieck für Talente“ verschwinden, nämlich in der Unternehmensberatung, im Bereich der Finanzen und der Firmenrechte. Sie möchten nicht mehr die Welt verändern, stattdessen machen sie die Reichen noch reicher und versuchen selbst ein großes Stück vom Kuchen abzubekommen
Europa macht er den Vorwurf, dass es nicht mehr die Zukunft gestaltet, sondern den Staus Quo reglementiert.
Dabei sehnen sich die Menschen nach Veränderung und nach Orientierung. Letzteres müssen die demokratischen Eliten liefern, denn die Gegner der Demokratie sind bereit, dieses Vakuum mit ihrem Narrativ zu füllen.
Bregman fordert deshalb eine „moralische Revolution“. Beispiele, wie wir eine solche moralische Revolution herbeiführen können, findet er in der Vergangenheit. Er präsentiert historische Persönlichkeiten und Gruppierungen, wie z.B. die von Großbritannien ausgehende Bewegung gegen den Sklavenhandel und die Sklaverei oder die Suffragetten, die für das Wahlrecht der Frauen kämpften, um zu beweisen, dass gesellschaftliche Veränderungen oft mit einer engagierten Minderheit beginnen.
Seine Hoffnung setzt er auf Menschen mit Visionen für eine gerechtere und bessere Welt . Und sein Appell richtet sich an uns alle.
Bregmans Vorträge sind schlüssig aufgebaut, mit zahlreichen Beispielen und Anekdoten angereichert, so dass der Text leicht verständlich und nachvollziehbar ist.
Trotzdem kann ich auch nach der Lektüre nicht voller Optimismus in die Zukunft blicken. Während ich seiner Gegenwartsanalyse vorwiegend zustimmen kann und ich seine Exkurse in die Vergangenheit recht interessant fand, so sind mir seine Vorschläge zu unkonkret. Dennoch sind seine Ausführungen und seine philosophischen Betrachtungen wertvolle Denkanstöße und machen Lust auf weitere Bücher von ihm.