Leider enttäuschend

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leserin2025 Avatar

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Ich muss leider sagen: Dieses Buch hat mich insgesamt sehr enttäuscht. Es ist nicht das, was es vorgibt zu sein – und vor allem nicht das, was das wirklich hervorragend gestaltete Cover verspricht. Gerade deshalb ist die Enttäuschung so groß. Wer hier einen atmosphärischen, starken Portugal-Krimi erwartet, wird bitter ernüchtert.

Ganz wichtig vorweg: Man sollte dieses Buch wirklich in keiner Weise mit der außergewöhnlich lesenswerten Lost in Fuseta-Reihe vergleichen. Dort spürt man den Ort, die Mentalität, das Klima, die Menschen – all das fehlt Die Tote von Nazaré nahezu vollständig. Dieses Buch kommt qualitativ nicht einmal ansatzweise in diese Nähe.

Wenn ich mir vor Augen halte, was für mich einen guten Krimi – insbesondere einen Regionalkrimi – ausmacht, wird schnell klar, wo die Probleme liegen. An erster Stelle steht für mich ein überzeugender Schauplatz. Portugal ist als Ort wunderschön, als Sehnsuchtsort perfekt geeignet. Doch genau dieser Schauplatz bleibt hier vollkommen flach. Die Beschreibungen wirken platt und beliebig, Atmosphäre entsteht keine. Erschwerend kommt hinzu, dass der Krimi inhaltlich größtenteils in Köln spielt. Warum das Ganze dann zwingend als Portugal-Krimi verkauft werden muss, bleibt mir schleierhaft.

Auch der Kriminalfall selbst ist enttäuschend simpel konstruiert. Es gibt keine Überraschungen. Jeder halbwegs routinierte Krimileser weiß schnell, wer der Täter sein wird – und genau so kommt es dann auch. Besonders schwach ist die Auflösung: Nicht akribische Ermittlungsarbeit führt zum Ziel, sondern ein plötzlicher Zufall am Ende. Das ist erzählerisch eher dünn.

Die Figurenzeichnung setzt diesen Eindruck leider fort. Sämtliche Figuren bleiben platt und klischeehaft. Die Kommissarin bleibt seltsam undefinierbar, ihr einziges prägendes Merkmal sind Erinnerungslücken. Der portugiesische Kommissar ist attraktiv und spricht Deutsch, die portugiesische Kommissarin ist unsympathisch und sieht aus wie ein Model. So ungefähr erschöpft sich die Charakterzeichnung des gesamten Romans. Tiefe, Entwicklung oder psychologische Glaubwürdigkeit sucht man vergeblich.

Unterm Strich fehlt es dem Buch an allem, was einen guten Krimi ausmacht: Es gibt keine echten Einfälle, keinen Spannungsbogen, keine Atmosphäre und keine überzeugenden Figuren. Stattdessen wirkt alles übermäßig konstruiert und dadurch durchweg unglaubwürdig.

Ich bin wirklich enttäuscht von diesem Buch. Zwei Sterne vergebe ich noch – wobei das ehrlicherweise schon sehr wohlwollend ist. Wie dieser Roman seinen Weg in ein Verlagsprogramm gefunden hat, bleibt mir ein Rätsel. Eine Empfehlung kann ich leider wirklich nicht aussprechen.