Berliner Romantik

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steph Avatar

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Mit „Die Toten von morgen“ legt Kim Koplin die Fortsetzung seiner „Berliner Schattenwelt“-Reihe vor. Das Buch lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen und ist in sich geschlossen.
Wer diesen Band jedoch zuklappt, wird unweigerlich den brennenden Wunsch verspüren, sofort auch den Vorgänger „Die Guten und die Toten“ zu lesen, um die tiefen emotionalen Wurzeln der Figuren komplett zu verstehen. Es stehen zwei Hauptfiguren im Zentrum der Geschichte. Zwei Charaktere, die gegensätzlicher kaum sein könnten und doch untrennbar verbunden sind. Da ist zum einen Saad, der alleinerziehender Vater ist und für seine kleine Tochter Leila einfach nur ein ganz normales, friedliches Leben in Berlin aufbauen will. Doch seine kriminelle Vergangenheit lässt ihn nicht los. Nihal wiederum arbeitet als Kriminalkommissaranwärterin bei der Berliner Mordkommission. Sie ist ehrgeizig, leidenschaftliche Boxerin und steht vor einer extremen Zerreißprobe. Ihr krebskranker Vater liegt im Sterben, ihren eigenen Bruder hat sie ins Gefängnis gebracht und nun muss sie den Mord an einem Geflüchteten aufklären. Ihr größtes Problem: Als Beamtin muss sie das Gesetz wahren, doch um Saad und Leila zu beschützen, gerät sie in einen massiven moralischen Konflikt zwischen Dienstpflicht und Liebe, auch wenn sie sich gerade zweiteres nicht eingestehen möchte. Der eigentliche Star des Buches ist jedoch der Handlungsort: Berlin. Koplin verzichtet komplett auf Postkarten-Romantik. Er zeichnet ein nasskaltes, ungeschöntes und raues Bild der Hauptstadt. Vom Berliner Bandenkrieg bis hin zur JVA Plötzensee – die Schauplätze spiegeln ein Aufeinanderprallen sozialer Gegensätze wider. Die Geschichte lebt von seinem rasanten Tempo und Figuren, die keine klassischen Helden sind, sondern Menschen, die im Schatten ums Überleben kämpfen.
Da am Schluss der Geschichte jedoch einige Fragen offenbleiben, fiebert man als Leser automatisch der Fortsetzung entgegen.