Mehr Krimi als Thriller

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leseliebee Avatar

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Das düstere Cover passt hervorragend zur Stimmung des Buches und fängt die raue, bedrückende Atmosphäre Berlins sehr gut ein. Schon optisch wird klar: Hier wartet keine leichte Geschichte, sondern ein Blick in eine dunkle, vielschichtige Welt.

Kommissarin Nihal Khigarian kehrt mit ihrem eigenen emotionalen Gepäck nach Berlin zurück und wird direkt mit einem rätselhaften Todesfall konfrontiert. Während die Ermittlungen sie immer tiefer in ein Geflecht aus Vergangenheit, Beziehungen und kriminellen Strukturen ziehen, verschwimmen persönliche und berufliche Grenzen zunehmend.

Für mich ist das Buch allerdings deutlich eher ein Krimi als ein Thriller. Der Schwerpunkt liegt weniger auf nervenaufreibender Hochspannung oder überraschenden Wendungen, sondern auf der Aufklärung eines bereits geschehenen Verbrechens und vor allem auf Nihal als Figur. Ihr Privatleben und besonders die Verbindung zu Saad und dessen Kind nehmen viel Raum ein und stehen oft genauso im Fokus wie die eigentliche Ermittlung.

Gut gefallen hat mir die Erzählweise aus mehreren Perspektiven. Dadurch bleibt die Geschichte abwechslungsreich und liest sich sehr flüssig. Die Sprache ist eher knapp gehalten, mit kurzen, bildhaften Sätzen, was gut zum Tempo und zur Atmosphäre passt. Auch das Berlin-Gefühl kommt authentisch rüber – multikulturell, rau und lebendig.

Nihal selbst ist dabei keine Ermittlerin, die man sofort ins Herz schließt. Ihr sarkastischer Humor zieht sich durch das gesamte Buch und gibt der Geschichte einen eigenen Ton, auch wenn sie stellenweise etwas distanziert wirkt.

Insgesamt fand ich das Buch unterhaltsam und habe es gern gelesen. Wer allerdings einen klassischen Thriller mit dauerhafter Spannung, vielen Twists und überraschenden Wendungen erwartet, dürfte hier eher enttäuscht werden. Wer dagegen Figurenentwicklung, Ermittlungsarbeit und eine düstere Berliner Atmosphäre mag, könnte genau richtig liegen.