Als der Krieg beginnt
Die Leseprobe hat mich sofort getroffen, weil hier persönliche Trauer und der Beginn des Krieges in der Ukraine auf eine sehr schmerzhafte Weise miteinander verbunden werden. Schon die ersten Zeilen haben eine Wucht, weil der Tod der Freundin nicht getrennt von der Weltlage erzählt wird, sondern beides gleichzeitig über allem liegt. Besonders berührt hat mich, wie ehrlich die Erzählerin über Schock, Wut, Hilflosigkeit und Reue schreibt. Man spürt, dass es nicht nur um Abschied geht, sondern auch um all die Fragen, die danach bleiben. Hätte man etwas merken müssen, hätte man etwas tun können, hätte irgendetwas anders laufen können. Die Szene mit den roten Tulpen fand ich sehr stark, weil sie so menschlich ist. Gerade dieses verzweifelte Suchen nach den richtigen Blumen macht die Trauer greifbar. Auch die Verbindung zu Russland, zur Ukraine, zu Achmatowa und zur gemeinsamen Vergangenheit gibt dem Text eine große Tiefe. Für mich klingt das nach einem sehr persönlichen, klugen und schmerzhaften Buch über Verlust, Krieg, Freundschaft und das Gefühl, einer Katastrophe zugesehen zu haben, ohne sie aufhalten zu können.