Reue und Abschied

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noiram Avatar

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Christiane Hoffmanns Die Träume, die wir hatten wählt einen völlig eigenständigen, zutiefst bewegenden Ansatz, indem es den Schmerz über den plötzlichen Verlust einer langjährigen Freundin untrennbar mit dem Schock über den beginnenden Ukraine-Krieg verknüpft. Text und Emotionen greifen hier auf eine Weise ineinander, die mich sofort emotional gepackt hat. Das Memoir besticht durch seine ehrliche, fast schmerzhafte Introspektion und das schonungslose Protokollieren von Versäumnissen, Reue und Groll angesichts des doppelten Zusammenbruchs einer privaten und einer politischen Welt.
​Besonders faszinierend ist die literarische Verflechtung mit den Versen der russischen Dichterin Anna Achmatowa, die wie ein roter Faden durch die Trauerarbeit führt und den Rückblenden in das aufwühlende Leningrad der späten 1980er Jahre eine enorme Tiefe verleiht. Hoffmann fängt das damalige Gefühl des Aufbruchs und der Hoffnung ebenso meisterhaft ein wie die bittere Realität der Gegenwart. Ein kraftvolles, aufrichtiges und poetisches Buch, das den Verlust von Illusionen auf allen Ebenen spürbar macht.