Ambivalenzen

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dany_87 Avatar

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In ihrem Buch „Die Träume, die wir hatten“ verarbeitet die Autorin, Christiane Hoffmann, den Verlust einer guten Freundin. Diese hat sich in der Woche, in der Russland die Ukraine überfallen hat, das Leben genommen. Zudem beleuchtet sie den Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine und verwebt den persönlichen Verlust und die politische Situation auf den rund 300 Seiten untrennbar miteinander. Der Roman ist als Hardcover im C.H. Beck Verlag am 09.07.2026 erschienen.

Wie der Untertitel des Buches bereits aussagt, geht es um die Freundin der Autorin, die im gesamten Buch namenlos bleibt, sowie um die Geschichte zwischen Russland und der Ukraine. Christiane Hoffmann hat selbst Slawistik und osteuropäische Geschichte studiert. Zudem hat sie viele Jahre als Auslandskorrespondentin u.a. für Russland berichtet.

Im Februar 2022 erlebt die Autorin innerhalb einer Woche zwei prägende Ereignisse. Zum einen den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, aber auch den Tod ihrer guten Freundin, die sie bereits aus Studienzeiten kennt.
In den 80ern waren beide Frauen Teil einer Gruppe, die Russisch studierten, russische Literatur lasen und die Sowjetunion bereisten. Die Autorin schreibt sehr anschaulich und authentisch von dieser damaligen Zeit, der Aufbruchstimmung und der Hoffnung nach einem demokratischen Osten. Man spürt ihre Liebe zu Russland und den anderen ehemaligen Sowjetstaaten. Aber auch ihre Fachexpertise merkt man über das gesamte Buch hinweg.

In dem Roman geht es um die Frage, ob man beide Tragödien hätte verhindern können. Es geht um verpasste Chancen, Unterlassungen und Versäumnisse. Aber auch um selbstzerstörerisches Verhalten (sowohl Russland, als auch die Freundin), Trauer und Ambivalenzen. Sie zieht dabei immer wieder parallelen zwischen der Beziehungsebene und dem politischen Schauplatz. Und wirft die Frage auf, ob man durch Eingreifen eine andere Wendung beider Geschichten hätte erreichen können.

Für mich war das Buch keine leichte Kost. Sowohl die Themen Suizid, als auch der Russland-Ukraine-Krieg sind bedrückend. Einen Lichtblick gibt es nicht. Aber auch der Schreibstil ließ mich nicht so recht in einen Lesefluss kommen. Die Geschichte ist schwerfällig und die Zeitsprünge nicht immer gut gewählt. Die Unterbrechungen waren für meinen Geschmack eher hinderlich und haben einen logischen Handlungsstrang immer wieder gekappt.
Wer sich für die Zeit nach dem Mauerfall und die aktuelle russische Geschichte interessiert, wird hier einige kluge Ansätze finden. Ich mochte es auch, dass die Autorin sehr deutlich ihre eigentliche Zugewandtheit an das Land und seine Kultur zeigt. Die Parallelen, die sie zieht, sind dabei sehr persönlich, wirken auf einen Außenstehenden aber leider weit hergeholt. Insgesamt aber ein spannendes Werk, aber auch harte Arbeit.