Analyse des Unausweichlichen

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Dieses Buch ist keine einfache Lektüre. Manchmal braucht es Pausen, tiefer gehende Recherche und historische Verortung, sowie auch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen.
Christiane Hoffmann verarbeitet in "Die Träume, die wir hatten" den Suizid ihrer Freundin. Zeitgleich beginnt der Krieg in der Ukraine. Die Freundin und die Autorin haben sich in der Sowjetunion kennengelernt, dort haben sie studiert, gefeiert; jede hat sich ein Leben aufgebaut. Beide haben tief in die Seele Russlands geschaut. Doch nun scheinen alle Seelen auf Selbstzerstörungskurs - die Freundin tot, Russland wütet unbarmherzig.
Hoffmann, so wird schnell klar, ist Analytikerin. Sie sammelt Informationen, definiert, zerlegt in Teile, vergleicht, prüft kritisch und verzweifelt zunehmend an dem Nicht-Fassen-Können. Gibt es Konstrukte, die so sprunghaft und inkonsistent sind, dass keine Strategie zu einer Annäherung führen wird oder kann doch irgendwie von außen Einfluss genommen werden auf diese Eigengesetzlichkeit?
Besonders beeindruckt an diesem Buch hat mich die klare Darstellung der Zusammenhänge und Entwicklungen in der Sowjetunion und nach deren Zerfall. Ein Stück Geschichte wird hier pointiert mit viel Sachkenntnis und authentischen Bildern wieder lebendig. Als Eindruck bleibt die ganz persönliche und intensive Auseinandersetzung von Frau Hoffmann mit zwei persönlichen Tragödien; eine Art Trauerprozess auf verschiedenen Ebenen, der mich selbst nicht kalt gelassen hat. Wir erleben sie als Mensch, der verstehen und lernen will und sich selbst und alle Anderen in Verantwortung sieht - selbst wenn jegliche Berührung aussichtslos erscheint. Für mich ein Plädoyer für jegliche aktive Auseinandersetzung, gerade dann, wenn es schwierig wird.
Für politisch und historisch interessierte Leser ein Muss!