Spannend, eindringlich und berührend!
Eine spannende und eindringliche Geschichtsstunde zum Thema russisch-ukrainisch-deutsche Beziehungen und eine berührende Erzählung über Freundschaft und Verlust
In Christiane Hoffmanns „Die Träume, die wir hatten“ geht es um die letzten Jahre und den Zerfall der Sowjetunion, den Versuch der ehemaligen Gegner im Kalten Krieg, die neue internationale Ordnung auszugestalten und zu stabilisieren, und die Entwicklungen, die schließlich im Angriff Russlands auf die Ukraine endeten. Es geht um die persönliche Beziehung der Autorin zu Russland und der Ukraine sowie um ihre Freundschaft zu ihrer namenlosen Freundin, die sich zeitgleich zum russischen Angriff das Leben nimmt.
Eindrucksvoll und feinfühlig werden geopolitische und private Ereignisse verknüpft und verwoben und hinsichtlich der Ausgangsfrage analysiert: Hätte die Katastrophe – der Krieg in der Ukraine sowie der Tod der Freundin – vermieden werden können? Verbindende Elemente sind dabei Träume, Wünsche, Hoffnungen und Illusionen.
Christiane Hoffmann schreibt verständlich, ruhig und besonnen und gleichzeitig einfühlsam. Die Sprache ist zu keiner Zeit reißerisch oder emotional, eher nüchtern, und doch war die Nähe und Zuneigung der Autorin, ihre Expertise und Leidenschaft für mich stets spürbar. Die lyrischen Einschübe fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, haben mich jedoch nicht weiter gestört und mir nach kurzer Zeit schon gefallen.
Die Freundin bleibt das gesamte Buch über namenlos, was auf gewisse Art für Distanz sorgt. Ich kann mir vorstellen, dass die Autorin genau dies beabsichtigt, um ihre Freundin gegenüber den unbekannten Lesenden zu schützen (es wird auch darüber reflektiert, wie die Freundin es wohl fände, dass dieses Buch geschrieben wird). Für mich hat dies der Geschichte und dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan, die tiefe Verbundenheit und Nähe der Autorin zur Freundin wurde für mich deutlich und spürbar.
Besonders gut gefallen haben mir die Differenziertheit der Autorin bei ihrer Geopolitikanalyse sowie die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungen in der Vergangenheit, den gemachten Fehlern und Versäumnissen, sowohl im beruflichen und politischen als auch im privaten Kontext. Besonders zum Ende hin war dies schonungslos ehrlich und selbstkritisch, was der Autorin sicherlich einiges abverlangt hat. Ohnehin hat mich der Showdown auf den letzten Seiten mitgerissen, atemlos gemacht, tief bestürzt und sehr berührt.
„Die Träume, die wir hatten“ ist anspruchsvoll und zugleich zugänglich, beeindruckend und höchst aufschlussreich – ich kann es nur empfehlen.
In Christiane Hoffmanns „Die Träume, die wir hatten“ geht es um die letzten Jahre und den Zerfall der Sowjetunion, den Versuch der ehemaligen Gegner im Kalten Krieg, die neue internationale Ordnung auszugestalten und zu stabilisieren, und die Entwicklungen, die schließlich im Angriff Russlands auf die Ukraine endeten. Es geht um die persönliche Beziehung der Autorin zu Russland und der Ukraine sowie um ihre Freundschaft zu ihrer namenlosen Freundin, die sich zeitgleich zum russischen Angriff das Leben nimmt.
Eindrucksvoll und feinfühlig werden geopolitische und private Ereignisse verknüpft und verwoben und hinsichtlich der Ausgangsfrage analysiert: Hätte die Katastrophe – der Krieg in der Ukraine sowie der Tod der Freundin – vermieden werden können? Verbindende Elemente sind dabei Träume, Wünsche, Hoffnungen und Illusionen.
Christiane Hoffmann schreibt verständlich, ruhig und besonnen und gleichzeitig einfühlsam. Die Sprache ist zu keiner Zeit reißerisch oder emotional, eher nüchtern, und doch war die Nähe und Zuneigung der Autorin, ihre Expertise und Leidenschaft für mich stets spürbar. Die lyrischen Einschübe fand ich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, haben mich jedoch nicht weiter gestört und mir nach kurzer Zeit schon gefallen.
Die Freundin bleibt das gesamte Buch über namenlos, was auf gewisse Art für Distanz sorgt. Ich kann mir vorstellen, dass die Autorin genau dies beabsichtigt, um ihre Freundin gegenüber den unbekannten Lesenden zu schützen (es wird auch darüber reflektiert, wie die Freundin es wohl fände, dass dieses Buch geschrieben wird). Für mich hat dies der Geschichte und dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan, die tiefe Verbundenheit und Nähe der Autorin zur Freundin wurde für mich deutlich und spürbar.
Besonders gut gefallen haben mir die Differenziertheit der Autorin bei ihrer Geopolitikanalyse sowie die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Handlungen in der Vergangenheit, den gemachten Fehlern und Versäumnissen, sowohl im beruflichen und politischen als auch im privaten Kontext. Besonders zum Ende hin war dies schonungslos ehrlich und selbstkritisch, was der Autorin sicherlich einiges abverlangt hat. Ohnehin hat mich der Showdown auf den letzten Seiten mitgerissen, atemlos gemacht, tief bestürzt und sehr berührt.
„Die Träume, die wir hatten“ ist anspruchsvoll und zugleich zugänglich, beeindruckend und höchst aufschlussreich – ich kann es nur empfehlen.