Zwischen Geschichtsstunde und persönlicher Trauerarbeit

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noiram Avatar

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Ich habe Die Träume, die wir hatten mit gemischten Gefühlen beendet. Aufgrund des Klappentextes und des Untertitels hatte ich mir etwas anderes vorgestellt – das bedeutet keineswegs, dass das Buch schlecht ist oder mich komplett enttäuscht hat, aber es hat mich eben auch nicht durchgängig abgeholt. Hätte ich gewusst, was mich inhaltlich erwartet, hätte ich es vielleicht gelesen.
​Einen großen Raum nimmt die Geschichte von Russland, der Ukraine, der Sowjetunion sowie die Rolle Europas und der USA ein. Die Autorin vermittelt viele interessante historische Fakten – einiges kennt man bereits, vieles im Detail jedoch nicht. Das liest sich durchaus spannend, drifted an manchen Stellen für meinen Geschmack aber etwas zu sehr in ein Sach- bzw. Geschichtsbuch ab.
​Parallel dazu wird die Leidensgeschichte einer engen Freundin der Autorin erzählt, die an Depressionen erkrankt ist. Der Verlauf der Krankheit, der persönliche Umgang damit, die quälenden Fragen nach Versäumnissen und schließlich ihr Suizid stehen im Fokus. Dass der Suizid bzw. dessen Nachricht zeitlich mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zusammenfällt, wird im Buch oft nebeneinandergestellt – eine gedankliche Verknüpfung, die mir persönlich schwerfällt, was aber mein ganz eigenes Empfinden ist.
​Was mich jedoch gestört hat: Der Untertitel beginnt explizit mit „Meine Freundin…“, doch über gut drei Viertel des Buches verblasst diese Figur fast zur Nebenrolle. Oft dachte ich beim Lesen: „Ach ja, die Freundin gab es ja auch noch“, weil die historischen Analysen so stark dominierten. Erst gegen Ende wird der Blick auf sie intensiver und dichter. Da es sich um eine sehr persönliche Reise der Autorin und ihren ganz eigenen Weg der Verarbeitung handelt, möchte ich das gar nicht zu streng bewerten – dennoch entsprach die Verteilung nicht der Gewichtung, die der Titel verspricht.
​Auch stilistisch war das Buch für mich nicht immer flüssig zu lesen. Es gab viele zeitliche Sprünge, deren Sinn und Struktur sich mir nicht immer erschlossen haben und bei denen eine chronologische Erzählweise vielleicht eingängiger gewesen wäre.
​Trotz der Kritikpunkte habe ich das Buch gerne gelesen. Es hat mir neue historische Details vermittelt und mich noch einmal tief über den Verlauf der Geschichte bis hin zum Ukraine-Krieg nachdenken lassen – insbesondere darüber, wie sehr dieser Krieg in unserem europäischen Alltag oft in den Hintergrund rückt, während die Menschen vor Ort täglich darunter leide
Für Leserinnen und Leser, die sich vertieft und auf persönlicher Ebene mit der Geschichte Osteuropas und dem Weg in den Krieg auseinandersetzen möchten, kann ich das Buch empfehlen.
Für alle, die vorrangig einen emotionalen Roman über eine tiefe Freundschaft erwarten, kann ich die Empfehlung nicht aussprechen.