Bitte einmal weniger Scham, danke!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
toxiqua Avatar

Von

Scham ist so ein Gefühl, das man kennt, aber selten genauer hinterfragt. Und wenn man ehrlich ist, schämen wir Frauen uns tatsächlich für erstaunlich vieles: unseren Körper, unser Essen, unser Alter, unsere Bedürfnisse, unsere Fehler – und manchmal sogar dafür, dass wir überhaupt Bedürfnisse haben.

Miriam Stein nähert sich dem Thema sehr persönlich und erzählt dabei nicht aus einer distanzierten „Ich erkläre euch jetzt mal die Welt“-Perspektive. Gerade ihre eigenen Geschichten machen das Thema greifbar. Besonders die Erinnerung an ihre Jugend und das Schnarchen hat mich gleichzeitig zum Schmunzeln gebracht und ziemlich gut gezeigt, wie aus einem eigentlich völlig harmlosen körperlichen Merkmal plötzlich eine jahrelange Scham werden kann.

Spannend finde ich ihren Gedanken, dass Scham nicht grundsätzlich etwas Schlechtes ist. Sie kann unser soziales Verhalten regulieren und uns helfen, Grenzen zu erkennen – aber eben auch völlig über die Stränge schlagen und uns kleinhalten. Genau diese Unterscheidung finde ich interessant: Welche Scham schützt mich tatsächlich und welche wurde mir irgendwann einfach anerzogen?

Auch die Kapitelaufteilung gefällt mir. Körperscham, Essensscham, Geldscham und Herkunftsscham sind Themen, bei denen vermutlich viele Frauen irgendwann einmal Bekanntschaft mit diesem unangenehmen Gefühl gemacht haben. Besonders gespannt bin ich darauf, wie Stein diese verschiedenen Formen auseinandernehmen und hinterfragen wird.

Mein erster Eindruck ist deshalb ziemlich positiv: Das Buch wirkt persönlich, ehrlich, teilweise provokant und gleichzeitig erstaunlich lebensnah. Es liest sich bisher eher wie ein kluges Gespräch mit einer Frau, die irgendwann beschlossen hat: „So, jetzt reicht's aber mit dem Schämen.“

Ich bin gespannt, welche meiner eigenen Scham-Baustellen das Buch noch so ans Licht zerrt. Vermutlich gibt es da mehr als genug Material.