Die weibliche Scham
Historisch und soziologisch ist Scham bei Frauen seit Jeher an Körper, Sexualität, Aussehen und „richtiges“ Verhalten geknüpft. Frauen sollten über Jahrhunderte hinweg bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen: bescheiden, zurückhaltend, attraktiv, aber nicht zu selbstbewusst. Während Männer mit Durchsetzungsvermögen oder Dominanz eher Anerkennung bekommen konnten, wurde dasselbe Verhalten bei Frauen schnell als unangemessen oder „unverschämt“ bewertet. Diese unterschiedlichen Maßstäbe wirken teilweise bis heute nach. Gerade deshalb finde ich den Gedanken hinter Die unverschämte Frau interessant: Was wäre, wenn Frauen sich nicht ständig dafür schämen müssten, zu laut, zu direkt, zu körperlich oder einfach nicht „perfekt“ zu sein? Die Leseprobe regt dazu an, Scham nicht nur als persönliches Gefühl, sondern auch als etwas gesellschaftlich Erlerntes zu betrachten. Die Leseprobe startet mit der Bestandsaufnahme der Scham der Autorin und einer Geschichte aus ihrer Kindheit. Das lässt direkt eine emotionale Bindung zu dem Thema aufbauen. Ich bin gespannt wie die Autorin im Rest des Buches die wirklich interessanten soziologischen Hintergründe der Scham mit ihrem persönlichen Erleben verknüpft und vor Allem, wie Frau sich ein Stück weit von der einengenden Scham befreien kann!