Narrativer Einstieg
Der Einstieg funktioniert für mich sehr gut, weil Miriam Stein das abstrakte Thema Scham zunächst über eine konkrete, sehr persönliche Kindheitserfahrung erzählt. Von dort entwickelt sie nachvollziehbar, wie sich Beschämung in Selbstbilder, Verhaltensweisen und gesellschaftliche Erwartungen einschreibt. Der Ton ist persönlich, direkt und pointiert, zugleich wird die eigene Erfahrung immer wieder mit Forschung und gesellschaftlichen Beobachtungen verbunden. Spannend finde ich auch die Grundidee der „Scham-Inventur“, also zwischen schädlicher und sozial notwendiger Scham zu unterscheiden. Gleichzeitig frage ich mich nach der Leseprobe, ob das Thema genug trägt, um die verbleibenden rund 200 Seiten wirklich abwechslungsreich zu füllen. Der narrative Einstieg macht neugierig, aber für mich wird entscheidend sein, ob die einzelnen Formen von Scham tatsächlich neue Perspektiven eröffnen oder sich die Grundthese im Verlauf wiederholt.