Wenn Scham uns kleiner macht, als wir eigentlich sind
Scham ist für mich eines der mächtigsten Gefühle überhaupt – gerade weil sie einen so stark beeinflussen kann, ohne dass man es immer sofort merkt. Deshalb hat mich das Thema von „Die unverschämte Frau“ direkt angesprochen. Besonders spannend finde ich den Ansatz, nicht jede Form von Scham grundsätzlich abschaffen zu wollen, sondern zu hinterfragen, welche davon überhaupt sinnvoll ist und welche uns lediglich klein hält. Die ersten Seiten haben mich dabei sofort abgeholt, weil Miriam Stein sehr persönlich einsteigt und anhand eigener Erfahrungen zeigt, wie früh Scham entstehen und sich über Jahre festsetzen kann. Gerade die Verbindung zwischen individuellen Erlebnissen und gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen finde ich unglaublich interessant. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, weil er direkt, ehrlich und stellenweise herrlich bissig ist, obwohl das Thema eigentlich ziemlich schwer sein kann. Dadurch liest sich die Leseprobe überhaupt nicht wie ein trockener psychologischer Ratgeber. Besonders stark finde ich die Frage, wie oft wir uns selbst zurückhalten, weil wir Angst davor haben, anzuecken, nicht dazuzugehören oder von anderen bewertet zu werden. Für mich ist Scham definitiv ein Gefühl, das es zu verstehen und in vielen Situationen auch zu überwinden gilt. Gleichzeitig gefällt mir, dass das Buch offenbar nicht in einfache Schwarz-Weiß-Antworten verfällt. Ich bin deshalb sehr neugierig darauf, welche Formen von Scham Miriam Stein im weiteren Verlauf noch auseinandernimmt – und was ich davon vielleicht auch für meinen eigenen Alltag mitnehmen kann.