Falsche Scham blockiert

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sunny1974 Avatar

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Älter werden? Ja. Brav dabei sein? Eher nicht.

„Die unverschämte Frau“ von Miriam Stein hat bei mir ziemlich oft dieses Gefühl ausgelöst: Endlich sagt es mal eine.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Miriam Stein und ich ungefähr gleich alt sind. Viele ihrer Gedanken über das Älterwerden, den eigenen Körper, Erwartungen und die Rolle von Frauen kamen mir verdächtig bekannt vor. Irgendwann erreicht man offenbar ein Alter, in dem man sich fragt: Muss ich eigentlich immer noch allen gefallen? Muss ich funktionieren, nett sein, vernünftig sein und dabei bitte möglichst so aussehen, als wäre ich zehn Jahre jünger?

Nö.

Genau deshalb hat mir das Buch so gut gefallen. Stein schreibt offen, direkt und persönlich über eine Lebensphase, über die erstaunlich viel geredet wird – nur häufig nicht von den Frauen selbst. Wechseljahre, Körper, Sexualität, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage, wer man eigentlich ist, wenn man keine Lust mehr hat, ständig irgendwelche Rollen zu erfüllen.

Natürlich habe ich nicht bei jedem Gedanken begeistert genickt. Muss ich auch nicht. Ein gutes Buch darf mich schließlich auch mal ärgern oder zum Widerspruch reizen. Viel wichtiger war für mich: Ich habe mich an erstaunlich vielen Stellen wiedererkannt.

Und vielleicht ist genau das das Schöne am Älterwerden: Man wird nicht unsichtbarer – man hat nur zunehmend weniger Lust, sich für andere passend zu machen.

Wenn das „unverschämt“ ist, dann werde ich wohl gerne ein bisschen unverschämter.

Fazit: Klug, persönlich, manchmal unbequem und für Frauen in der Lebensmitte ziemlich befreiend. Ein Buch, nach dem man vielleicht nicht jünger ist – aber ein kleines bisschen weniger angepasst.