Frauen, seid unverschämt! - Eine Befreiungsgeschichte
Journalistin und Autorin Miriam Stein geht in ihrem neuen Buch „Die unverschämte Frau“ auf persönlicher und struktureller Ebene der Frage nach, woher das Gefühl der Scham kommt und wie sie sich auf das Leben von Frauen auswirkt. Ihr eigenes Leben begann schon mit Scham: als Säugling wurde sie, eingewickelt in Zeitungspapier, an einer Straßenecke in Daegu (Südkorea) abgelegt. In ihren inzwischen fast 50 Lebensjahren begegnete ihr die Scham immer wieder – das kenne sicher viele Frauen: Nicht schön/schlank/feminin/nett genug, es gibt für Frauen offenbar auch heutzutage noch viele Gründe für Scham.
"Die US-amerikanische Schamforscherin, Professorin und Bestsellerautorin Brené Brown nennt Scham eine "Master Emotion", das intensivste Gefühl von allen, stärker als Liebe und Wut. Sie definiert sie als "Angst, nicht dazuzugehören", weil die Person, die sich schämt, dem Irrglauben aufsitzt, es gäbe einen Makel in der eigenen Persönlichkeit, der um jeden Preis verheimlicht werden müsse. Sobald dieser bekannt würde, sei man es nicht mehr wert, geliebt zu werden oder Teil der Gemeinschaft zu sein. Bis heute muss ich mich nur beim Gedanken an diese banale Geschichte von damals vor Scham schütteln. Mein wahres Ich war Grund für kollektiven Spott, ich fühlte mich gedemütigt, herabgesetzt und ausgeschlossen. Nie wieder würde ich mich so ertappen, so bloßstellen lassen."
Miriam Stein analysiert unterschiedliche Arten von Scham und nennt hier zahlreiche Beispiele aus ihrem eigenen Leben, von der Kindheit über die Pubertät bis hin zu den Wechseljahren. In vielen dieser Beispiele können sich andere Frauen sicher wiedererkennen.
"Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, Schamgefühle zu vermeiden. Es reicht. Ich bin es so dermaßen leid, die Luft anzuhalten, und habe keine Lust mehr, mich für mich oder mein Frausein zu schämen. Wie eine Judoka will ich die Scham, die mich zurückhält, über die Schulter auf die Matte werfen, sie fixieren uns die genau untersuchen. Wie funktioniert sie? Was will sie eigentlich?“
„Die unverschämte Frau“ ist weniger ein Sachbuch als vielmehr eine persönliche „Befreiungsgeschichte“. Als finale Aussage kann man beim Lesen hier mitnehmen, das Wort „unverschämt“ in eine positive Richtung umzudeuten:
"Als unverschämte Frau habe ich die Wahl. Ich darf über die Stränge schlagen, reinhauen und mich dick machen. Ich darf heute kratzbürstig und meckerziegig sein und morgen in Pik feinen Anzug und ondulierten Haaren herumlaufen. Ich war als Jugendliche verschämt und trotzdem auch gelegentlich richtig unverschämt, und beides war real. Das Gefühl, dass nun aufsteigt, muss laut Dr. Feldmann Barrett keine Scham sein. Vielleicht ist es der Motor, der mich hierhergebracht hat. Der diese Worte formuliert."
Thematisch finde ich das Buch aktuell und wichtig, und die Leseprobe mit den persönlichen Einblicken der Autorin hatte mich sofort angesprochen. Leider konnte das komplette Buch meine Erwartungen nun nicht ganz erfüllen. Es gab ein paar interessante Aspekte, in vielen dargestellten Situationen kann man sich als Frau wiedererkennen; insgesamt bot mir der Inhalt jedoch zu wenig Neues. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich mich mit der Thematik schon ausgiebig befasst habe.
Auch mit dem Schreibstil und dem Aufbau tat ich mir etwas schwer. Die Aufgliederung in Körperscham, Essensscham, Anstandsscham, Geldscham und Herkunftsscham fand ich strukturell eigentlich gut, allerdings fehlte mir beim Lesen oft der rote Faden. Vieles wirkte auf mich zu sprunghaft. Es ist wichtig und gut, dass es vielfältige Bücher zu diesem Thema gibt - dieses hier lässt mich jedoch etwas zwiegespalten zurück.
Negativ aufgefallen sind mir zudem noch wiederkehrende Druckfehler. Auf mehreren Seiten, z.B. Seite 69, 89, 122 und 125 – wurden Wörter (mangels Lektorat?) komplett ohne Leerzeichen aneinandergereiht, hier ein Beispiel von Seite 89: "EinpaarWochen späterwarichaufeinemKongresszumThema". So etwas sollte nicht passieren.
Aufgrund der oben genannten Kritik vergebe ich für dieses thematisch wichtige und interessante Buch final 3 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚
"Die US-amerikanische Schamforscherin, Professorin und Bestsellerautorin Brené Brown nennt Scham eine "Master Emotion", das intensivste Gefühl von allen, stärker als Liebe und Wut. Sie definiert sie als "Angst, nicht dazuzugehören", weil die Person, die sich schämt, dem Irrglauben aufsitzt, es gäbe einen Makel in der eigenen Persönlichkeit, der um jeden Preis verheimlicht werden müsse. Sobald dieser bekannt würde, sei man es nicht mehr wert, geliebt zu werden oder Teil der Gemeinschaft zu sein. Bis heute muss ich mich nur beim Gedanken an diese banale Geschichte von damals vor Scham schütteln. Mein wahres Ich war Grund für kollektiven Spott, ich fühlte mich gedemütigt, herabgesetzt und ausgeschlossen. Nie wieder würde ich mich so ertappen, so bloßstellen lassen."
Miriam Stein analysiert unterschiedliche Arten von Scham und nennt hier zahlreiche Beispiele aus ihrem eigenen Leben, von der Kindheit über die Pubertät bis hin zu den Wechseljahren. In vielen dieser Beispiele können sich andere Frauen sicher wiedererkennen.
"Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, Schamgefühle zu vermeiden. Es reicht. Ich bin es so dermaßen leid, die Luft anzuhalten, und habe keine Lust mehr, mich für mich oder mein Frausein zu schämen. Wie eine Judoka will ich die Scham, die mich zurückhält, über die Schulter auf die Matte werfen, sie fixieren uns die genau untersuchen. Wie funktioniert sie? Was will sie eigentlich?“
„Die unverschämte Frau“ ist weniger ein Sachbuch als vielmehr eine persönliche „Befreiungsgeschichte“. Als finale Aussage kann man beim Lesen hier mitnehmen, das Wort „unverschämt“ in eine positive Richtung umzudeuten:
"Als unverschämte Frau habe ich die Wahl. Ich darf über die Stränge schlagen, reinhauen und mich dick machen. Ich darf heute kratzbürstig und meckerziegig sein und morgen in Pik feinen Anzug und ondulierten Haaren herumlaufen. Ich war als Jugendliche verschämt und trotzdem auch gelegentlich richtig unverschämt, und beides war real. Das Gefühl, dass nun aufsteigt, muss laut Dr. Feldmann Barrett keine Scham sein. Vielleicht ist es der Motor, der mich hierhergebracht hat. Der diese Worte formuliert."
Thematisch finde ich das Buch aktuell und wichtig, und die Leseprobe mit den persönlichen Einblicken der Autorin hatte mich sofort angesprochen. Leider konnte das komplette Buch meine Erwartungen nun nicht ganz erfüllen. Es gab ein paar interessante Aspekte, in vielen dargestellten Situationen kann man sich als Frau wiedererkennen; insgesamt bot mir der Inhalt jedoch zu wenig Neues. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich mich mit der Thematik schon ausgiebig befasst habe.
Auch mit dem Schreibstil und dem Aufbau tat ich mir etwas schwer. Die Aufgliederung in Körperscham, Essensscham, Anstandsscham, Geldscham und Herkunftsscham fand ich strukturell eigentlich gut, allerdings fehlte mir beim Lesen oft der rote Faden. Vieles wirkte auf mich zu sprunghaft. Es ist wichtig und gut, dass es vielfältige Bücher zu diesem Thema gibt - dieses hier lässt mich jedoch etwas zwiegespalten zurück.
Negativ aufgefallen sind mir zudem noch wiederkehrende Druckfehler. Auf mehreren Seiten, z.B. Seite 69, 89, 122 und 125 – wurden Wörter (mangels Lektorat?) komplett ohne Leerzeichen aneinandergereiht, hier ein Beispiel von Seite 89: "EinpaarWochen späterwarichaufeinemKongresszumThema". So etwas sollte nicht passieren.
Aufgrund der oben genannten Kritik vergebe ich für dieses thematisch wichtige und interessante Buch final 3 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den Goldmann Verlag und an Vorablesen.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚