Schämt euch für die Scham!
Miriam Steins „Die unverschämte Frau“ aus dem Goldmann Verlag ist ein Sachbuch, das schon auf den ersten Blick neugierig macht. Allein das Cover ist für mich ein echter Hingucker und passt damit sehr gut zu einem Buch, das sich mit einem Thema beschäftigt, über das im Alltag zwar ständig gesprochen, aber nur selten wirklich offen nachgedacht wird. Dazu kommt die Empfehlung von Ildikó von Kürthy auf der Rückseite, die für mich noch einmal zusätzlich Interesse geweckt hat.
Besonders gut gefallen hat mir Steins lockerer und zugänglicher Schreibstil. Sie schafft es, gesellschaftliche und teilweise durchaus komplexe Themen so zu vermitteln, dass die Lektüre nie trocken oder belehrend wirkt. Auch die Schriftgröße empfand ich als angenehm, was zusammen mit dem Schreibstil dafür gesorgt hat, dass sich das Buch sehr flüssig lesen ließ. Insgesamt ist es eine unterhaltsame, aber gleichzeitig anregende Lektüre, bei der man immer wieder über die eigenen Erfahrungen und Verhaltensweisen nachdenken kann.
Besonders interessant fand ich die Aufzählung und Erläuterung der verschiedenen Schamarten. Gerade dadurch wird deutlich, wie unterschiedlich Scham im Alltag auftreten kann und wie sehr sie unser Verhalten beeinflusst, manchmal ohne dass wir es überhaupt bewusst wahrnehmen. Dass Stein dabei auch Geldscham und Essensscham thematisiert, hat mir besonders gefallen, weil diese Formen der Scham meiner Meinung nach im Alltag eine größere Rolle spielen, als man zunächst denkt. Die Autorin zeigt dabei anschaulich, wie Scham nicht nur eine persönliche Empfindung ist, sondern auch etwas mit gesellschaftlichen Erwartungen, Normen und unserem Umgang miteinander zu tun hat.
Zu meinen persönlichen Lieblingskapiteln gehört das erste Kapitel zur Körperscham. Besonders der Teil über die Folgen einer falsch verstandenen oder übertriebenen Sittsamkeit bei Arztbesuchen ist mir im Gedächtnis geblieben. Stein macht hier deutlich, dass Scham durchaus dazu führen kann, dass wir uns selbst im Weg stehen und wichtige Dinge nicht ansprechen oder Situationen unnötig unangenehm werden lassen. Gerade dieser Blick auf den eigenen Körper und den Umgang mit ihm im medizinischen Kontext hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir das fünfte Kapitel über Herkunftsscham. Besonders die Auseinandersetzung mit Ostdeutschland fand ich spannend. Auch der antiklassistische Ansatz dieses Kapitels hat mir gefallen, weil Stein hier eine Perspektive einnimmt, die über die reine Betrachtung von Scham als persönliches Gefühl hinausgeht. Herkunft kann schließlich auf ganz unterschiedliche Weise mit Zuschreibungen, Vorurteilen und gesellschaftlichen Erwartungen verbunden sein. Gerade deshalb fand ich dieses Kapitel besonders anregend.
Etwas schwerer getan habe ich mich dagegen mit dem dritten Kapitel zur Anstandsscham. Hier konnte ich Steins Gedanken nicht in allen Punkten zustimmen. Gleichzeitig habe ich beim Lesen gemerkt, dass ich mich mit der Thematik der Schamlosigkeit im Miteinander vielleicht noch intensiver auseinandersetzen müsste. Stein stellt die Frage, ob eine zunehmende Schamlosigkeit im Umgang miteinander letztlich unsere Würde infrage stellen kann. Auch wenn ich ihrer Argumentation nicht vollständig folgen konnte, finde ich die Frage an sich interessant und durchaus diskussionswürdig. Vielleicht ist gerade das eine Stärke des Buches: Es zwingt einen nicht dazu, jede Position der Autorin zu übernehmen, sondern regt dazu an, die eigenen Ansichten zu überprüfen.
Auch der Epilog ist mir positiv aufgefallen. Er rundet das Buch nicht einfach nur ab, sondern regt noch einmal zum Weiterdenken an. Nach der Lektüre bleibt dadurch einiges im Kopf hängen, insbesondere die Frage, an welchen Stellen wir uns eigentlich aus eigener Scham anpassen und wann es vielleicht sinnvoll wäre, sich von bestimmten Erwartungen zu lösen.
Insgesamt hat mir „Die unverschämte Frau“ sehr gut gefallen. Miriam Stein schreibt, wie auch schon in ihren vorherigen Büchern, unterhaltsam, locker und gleichzeitig anregend. Besonders überzeugt haben mich die unterschiedlichen Formen von Scham, die persönlichen und gesellschaftlichen Perspektiven darauf sowie die Kapitel zur Körper- und Herkunftsscham. Nicht jeder Gedanke der Autorin hat mich gleichermaßen überzeugt, aber gerade die Stellen, an denen ich widersprechen oder weiterdenken wollte, haben die Lektüre für mich interessant gemacht. „Die unverschämte Frau“ ist deshalb für mich ein Buch, das unterhält, Denkanstöße gibt und dazu einlädt, den eigenen Umgang mit Scham und gesellschaftlichen Erwartungen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine Lektüre für alle Angepassten, Angestrengten und Unverschämten unter euch.
Besonders gut gefallen hat mir Steins lockerer und zugänglicher Schreibstil. Sie schafft es, gesellschaftliche und teilweise durchaus komplexe Themen so zu vermitteln, dass die Lektüre nie trocken oder belehrend wirkt. Auch die Schriftgröße empfand ich als angenehm, was zusammen mit dem Schreibstil dafür gesorgt hat, dass sich das Buch sehr flüssig lesen ließ. Insgesamt ist es eine unterhaltsame, aber gleichzeitig anregende Lektüre, bei der man immer wieder über die eigenen Erfahrungen und Verhaltensweisen nachdenken kann.
Besonders interessant fand ich die Aufzählung und Erläuterung der verschiedenen Schamarten. Gerade dadurch wird deutlich, wie unterschiedlich Scham im Alltag auftreten kann und wie sehr sie unser Verhalten beeinflusst, manchmal ohne dass wir es überhaupt bewusst wahrnehmen. Dass Stein dabei auch Geldscham und Essensscham thematisiert, hat mir besonders gefallen, weil diese Formen der Scham meiner Meinung nach im Alltag eine größere Rolle spielen, als man zunächst denkt. Die Autorin zeigt dabei anschaulich, wie Scham nicht nur eine persönliche Empfindung ist, sondern auch etwas mit gesellschaftlichen Erwartungen, Normen und unserem Umgang miteinander zu tun hat.
Zu meinen persönlichen Lieblingskapiteln gehört das erste Kapitel zur Körperscham. Besonders der Teil über die Folgen einer falsch verstandenen oder übertriebenen Sittsamkeit bei Arztbesuchen ist mir im Gedächtnis geblieben. Stein macht hier deutlich, dass Scham durchaus dazu führen kann, dass wir uns selbst im Weg stehen und wichtige Dinge nicht ansprechen oder Situationen unnötig unangenehm werden lassen. Gerade dieser Blick auf den eigenen Körper und den Umgang mit ihm im medizinischen Kontext hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir das fünfte Kapitel über Herkunftsscham. Besonders die Auseinandersetzung mit Ostdeutschland fand ich spannend. Auch der antiklassistische Ansatz dieses Kapitels hat mir gefallen, weil Stein hier eine Perspektive einnimmt, die über die reine Betrachtung von Scham als persönliches Gefühl hinausgeht. Herkunft kann schließlich auf ganz unterschiedliche Weise mit Zuschreibungen, Vorurteilen und gesellschaftlichen Erwartungen verbunden sein. Gerade deshalb fand ich dieses Kapitel besonders anregend.
Etwas schwerer getan habe ich mich dagegen mit dem dritten Kapitel zur Anstandsscham. Hier konnte ich Steins Gedanken nicht in allen Punkten zustimmen. Gleichzeitig habe ich beim Lesen gemerkt, dass ich mich mit der Thematik der Schamlosigkeit im Miteinander vielleicht noch intensiver auseinandersetzen müsste. Stein stellt die Frage, ob eine zunehmende Schamlosigkeit im Umgang miteinander letztlich unsere Würde infrage stellen kann. Auch wenn ich ihrer Argumentation nicht vollständig folgen konnte, finde ich die Frage an sich interessant und durchaus diskussionswürdig. Vielleicht ist gerade das eine Stärke des Buches: Es zwingt einen nicht dazu, jede Position der Autorin zu übernehmen, sondern regt dazu an, die eigenen Ansichten zu überprüfen.
Auch der Epilog ist mir positiv aufgefallen. Er rundet das Buch nicht einfach nur ab, sondern regt noch einmal zum Weiterdenken an. Nach der Lektüre bleibt dadurch einiges im Kopf hängen, insbesondere die Frage, an welchen Stellen wir uns eigentlich aus eigener Scham anpassen und wann es vielleicht sinnvoll wäre, sich von bestimmten Erwartungen zu lösen.
Insgesamt hat mir „Die unverschämte Frau“ sehr gut gefallen. Miriam Stein schreibt, wie auch schon in ihren vorherigen Büchern, unterhaltsam, locker und gleichzeitig anregend. Besonders überzeugt haben mich die unterschiedlichen Formen von Scham, die persönlichen und gesellschaftlichen Perspektiven darauf sowie die Kapitel zur Körper- und Herkunftsscham. Nicht jeder Gedanke der Autorin hat mich gleichermaßen überzeugt, aber gerade die Stellen, an denen ich widersprechen oder weiterdenken wollte, haben die Lektüre für mich interessant gemacht. „Die unverschämte Frau“ ist deshalb für mich ein Buch, das unterhält, Denkanstöße gibt und dazu einlädt, den eigenen Umgang mit Scham und gesellschaftlichen Erwartungen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine Lektüre für alle Angepassten, Angestrengten und Unverschämten unter euch.