Wieder ein sehr gutes Buch von einer meiner Lieblingsautorinnen

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antjemue Avatar

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Wer lesetechnisch gern im Thriller Genre unterwegs ist, kommt an den Werken der amerikanischen Autorin Karin Slaughter eigentlich nicht vorbei. Vor etlichen Jahren habe ich ihre Grand County Reihe nahezu verschlungen und auch die ersten Teile ihrer Georgia Reihe, habe ich mit Begeisterung gelesen. Dann zwang mich eine Krankheit lesetechnisch etwas kürzer zu treten. In der Georgia Reihe bin ich schon lange nicht mehr up to date. Bevor ich mich für ein Rezensionsexemplar von „Die Vergessene“ bewarb, hatte ich bei Amazon und auf anderen Internetseiten gelesen hatte, dass es sich um ein sogenanntes Stand Alone handeln würde und freute mich, dass ich wenige Tage später mit dem Lesen beginnen konnte.

1982: Die fast 18-jährige Emily Vaughn fiel von einem Tag auf den nächsten in ein großes Loch. Aus einer beliebten, fleißigen und zielstrebigen Schülerin mit besten Zukunftsaussichten, wurde, durch einen Umstand, an den sie sich selbst nicht einmal erinnern kann, eine von allen verachtete junge Frau, die nicht mal die Schule beenden durfte. Verzweifelt kämpft sie um ihre Reputation, leider vergebens, denn am Abend ihres Abschlussballs wird sie brutal ermordet und der Täter nie gefasst.

Gegenwart: Andrea Oliver hat gerade die Ausbildung zum US-Marshall beendet, als sie zu ihrem ersten Auftrag in den kleinen Küstenort Longbill Beach gesendet wird, um offiziell eine Richterin zu beschützen, die Morddrohungen erhalten hat. Allerdings hat sie nebenher noch ein ganz anderes Ziel vor Augen. Sie möchte herausfinden, was vor 40 Jahren mit Emily geschah und das nicht nur aus gänzlich uneigennützigen Motiven. Aber auch ihr neuer Partner widmet sich nicht nur der offiziellen Aufgabe des Personenschutzes.

Wird es Andrea gelingen, den Mord von damals aufzuklären und gibt es Parallelen zu den fürchterlichen Dingen, die sich jetzt in dem kleinen Ort abspielen, in dem jeder jeden kennt?

In wenigen Tagen hatte ich dieses Buch ausgelesen. Den Schreibstil der Autorin empfand ich als gewohnt flüssig und es dauerte auch nicht wirklich lange, bis ich mich in die Geschichte eingelesen hatte und sie mit Spannung verfolgte. Allerdings war diese Spannung bei mir diesmal nicht so atemberaubend und intensiv wie bei den früheren Thrillern der Autorin. Dennoch sorgten die Einblicke in die dunkelsten Abgründe der Menschheit, gut gesetzte Wechsel zwischen den Handlungssträngen in der Vergangenheit und der Gegenwart, einige Sympathiefiguren sowie etliche unerwartete Wendungen auch bei dieser Geschichte wieder dafür, dass ich beim Lesen nie Längen empfand und immer gern weiterlas.

Neben dem Schicksal von Emily berührte mich in den Szenen aus der Vergangenheit besonders die überhaupt noch nicht gleichberechtigte Stellung der Frauen zu dieser Zeit und der Umgang mit Menschen, die nicht die gesellschaftlichen Normen erfüllten. Mir gefiel, dass sich die Autorin sich nicht stur auf den oder besser gesagt die Fälle beschränkte, sondern auch immer wieder gesellschaftliche Problematiken mit anging. Und obwohl auch in dieser Geschichte zum Großteil Schlimmes passiert, gab es auch immer wieder mal Humorvolles, das für Auflockerung sorgte.

Lediglich bei Andrea hatte ich manchmal das Gefühl, dass mir ein paar wichtige Informationen zu ihr fehlten. Es gab zwar auch Rückblicke in ihre jüngere Vergangenheit, die das relativ gut ausglichen, aber der Eindruck, dass ich etwas mehr über sie wissen müsste, als in diesem Buch steht, blieb bestehen. Inzwischen denke ich auch, den Grund dafür zu kennen. So ganz „Stand Alone“ ist dieses Buch nämlich nicht, sondern es ist eine Fortsetzung des bereits 2018 erschienenen Thrillers der Autorin mit dem Titel „Ein Teil von ihr“. Und das Ende dieses Buches lässt mich auf mindestens eine weitere geplante Fortsetzung schließen.

Insgesamt hat mir auch dieses Buch von Karin Slaughter wieder sehr gut gefallen und ich möchte sowohl den bereits existierenden Vorgänger, als auch einen möglichen Nachfolger lesen. Dennoch hätte ich es deutlich besser gefunden, wenn es tatsächlich als Fortsetzung angeboten worden wäre. Dann hätte ich mir den Vorgänger wahrscheinlich auch wirklich vorher gegönnt.