Spukhafte Schnäppchenjagd
Ein erster Leseeindruck zu Die Villa von Markus HeitzDer Einstieg in Markus Heitz’ Horror-Roman Die Villa zieht einen sofort in seinen Bann. Die Szenerie einer Zwangsversteigerung im ehrwürdischen Bundesverwaltungsgericht Leipzig ist herrlich skurril und lebendig gezeichnet. Mittendrin: die bodenständige Discounter-Filialleiterin Doreen Markert, die durch eine Kette absurder Zufälle und das bürokratische Versagen eines Großkonzerns eine denkmalgeschützte Villa für gerade einmal 100 Euro ersteigert. Heitz beweist hier echtes Fingerspitzengefühl für Atmosphäre und Timing. Der Kontrast zwischen der sterilen Justizwelt, dem testosterongeladenen, wütenden Erbschaftskläger Weißbach und Doreens ungläubigem "Robin-Hood-Gefühl" sorgt für eine wunderbare Dynamik im ersten Kapitel. Richtig unheimlich wird es im zweiten Teil, als Doreen ihr neues Eigentum im Herbstnebel besichtigt. Das Haus scheint zu leben: Ein plötzlicher Luftzug wirkt wie der Atem eines Raubtiers, eine alte Standuhr erwacht wie ein schlagendes Herz von selbst zum Leben und das Holz beginnt zu knacken, als würde es auf Doreens Berührung reagieren. Als sie dann auch noch auf magische Weise genau die 100 Euro unter der Uhr wiederfindet, die sie zuvor investiert hat, ist die Gänsehaut perfekt. Fazit: Ein fesselnder, atmosphärisch dichter Vorgeschmack, der gekonnt alltägliche Geldsorgen mit subtilem, unheimlichem Grusel verwebt. Man will sofort wissen, welches Geheimnis die Villa im Poetenweg hütet.