Action und Splatter statt Spuk

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savira Avatar

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Für gerade einmal 100 Euro ersteigert Doreen die titelgebende Villa im Poetenweg 13 in Leipzig, die sie zusammen mit ihrer Tochter, Marina (die Musikerin auf youtube ist, mit stetig steigender Followerzahl), bezieht.
Der Umzug wird nicht nur vom Reichsbürger Rico Weißbach erschwert, der ein vermeintliches Erbrecht als Anspruch auf die Villa mit Anwälten geltend machen will, auch die Villa selbst scheint ihre eigenen Pläne mit dem Gespann aus Mutter und Tochter zu haben.
Und was hat das alles mit dem zweiten Handlungsstrang des Engländers Ethan zu tun, dessen Mutter gerade eben erst einen unerklärlichen Tod gestorben ist?

Tatsächlich laufen alle Handlungsstränge, wie man sich sicher denken kann, zu dem gemeinsamen Nenner zusammen: der Villa. Diese ist Mittelpunkt nicht nur der aktuellen Geschehnisse, sondern einer Reihe von Todesfällen, die sich über mehrere Jahrzehnte häufen. Nämlich immer dann, wenn die Villa bewohnt ist.
Viel mehr kann man tatsächlich nicht über den Plot verraten, ohne zu spoilern. Dementsprechend setze ich die Rezension ohne Story-Details fort und konzentriere mich stattdessen auf das Handwerk des Bestseller-Autors Markus Heitz.

Verblüfft sehe ich Rezensionen und Leseeindrücke anderer Menschen; ganz ehrlich, wer diesem Roman Leerlauf und Langeweile vorwirft, hat ihn schlichtweg nicht gelesen. Ein Toter jagt den nächsten, manchmal werden Figuren nur deshalb eingeführt, damit sie in derselben Szene ihr gewaltsames Ende finden können. 
Dieser Roman lässt nie Langeweile aufkommen, Action steht immer im Vordergrund. 
Das hat natürlich, für mich zumindest, einen klaren Nachteil: wer ein Buch über ein Spukhaus lesen will, der erwartet Atmosphäre und gespenstische Erlebnisse, die einem Gänsehaut erzeugen und die machen, dass man sich unwohl im eigenen Zuhause fühlt, keinen Splatter.
Atmosphäre sucht man in diesem Roman jedoch vergebens. Der Fokus liegt, wie gesagt, ganz klar auf Action und Gewalt.

Die Figuren sind pure, reine Klischees. Heitz hat sich nicht die Mühe gemacht, eine einzige Figur im wahrsten Sinne des Wortes zu erschaffen, er hat einfach vorhandene Stereotypen aus Schubladen gegriffen.
Da wäre die alleinerziehende Mutter, die ihre Träume für das Kind aufgeben musste. Das (undankbare) rebellierende Kind, das die Mutter verabscheut und nur schnellstmöglich ausziehen will. Der Handwerker. Der Kapitalist. Weißbach als physisch imposanter, gefährlicher, schwerst bewaffneter Reichsbürger. Der exzentrische Musiker.
Auch das Verhalten der Charaktere ist dementsprechend stereotyp.
Hierbei sei erwähnt, dass das vermittelte Frauenbild sich den Anstrich von Modernität geben will, dabei aber nur objektivierend und sexualisierend bleibt: Doreen, die sexuell freizügig ist, mit ihrer Teenager-Tochter Marina, die für jeden One Night Stand einen Ohrring trägt (beide Ohren sind voller Ringe). Die Prostituierte in Frankreich. Das Vergewaltigungsopfer aus der Vergangenheit der Villa. Die selbst vergewaltigende Jenn. Man sieht, Frauen haben in diesem Roman immer etwas mit Sex zu tun, was bei manchen der Figuren auch das einzige Charaktermerkmal ist.

Die verwendete Sprache im Roman könnte man nett als "alltagstauglich" und "realitätsnah" bezeichnen. 
Klar, eine Sprachbeherrschung wie bei Thomas Mann habe ich nicht von Markus Heitz erwartet, immerhin ist er, ohne abwertend sein zu wollen, ein Schriftsteller für die breite Masse. Heitz schreibt aber eben auch nicht im knappen, klaren, direkten Stil eines Hemingway oder Steinbeck (die gezielt keine intellektuellen Hürden für die breite Leserschaft beim Schreibstil stellen wollten), sondern einfach nur auf niedrigem Niveau. Beschimpfungen, Kraftausdrücke und Obszönitäten sind hier allgegenwärtig, unnötige Anglizismen haben hier unnötigen Vorzug vor normaler Sprache (Zitat als Beispiel: "Die News vom Umzug (...)". Was spricht gegen "Die Neuigkeit vom Umzug"?).

Alles in allem hat der Roman mir nicht geliefert, auf was ich gehofft hatte, nämlich einen Spukhausroman im Stile eines "The Haunting of Hill House" oder "The Shining". Stattdessen bekommt man hier einen actiongeladenen Splatter-Roman mit eindimensionalen Figuren und derber Sprache.
Wer über die genannten Mängel hinwegsehen kann, einfach das Gehirn abschalten will und etwas Rasantes möglichst rasch lesen will, kann zugreifen. Ich persönlich werde keinen weiteren Roman von Markus Heitz mehr lesen.