Ein Haus, das mehr will als nur einen neuen Anstrich

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Ein Haus, das mehr will als nur einen neuen Anstrich

Doreen Markert kann ihr Glück kaum fassen. Bei einer Zwangsversteigerung bekommt sie eine alte Villa im Leipziger Stadtteil Gohlis für gerade einmal 100 Euro. Ein echtes Schnäppchen, auch wenn das Haus alles andere als ein Traumzustand ist. Gemeinsam mit ihrer pubertierenden Tochter Marina zieht sie ein und zunächst scheint tatsächlich alles perfekt zu laufen.

Doreen versucht, sich mit der Villa einen neuen Lebensabschnitt aufzubauen, während Marina ihre Musik neu für sich entdeckt. Plötzlich ergeben sich Möglichkeiten, mit denen beide vorher nicht gerechnet hätten. Beruflich läuft es besser, Marina bekommt Aufmerksamkeit für ihre Musik und immer mehr Wünsche scheinen tatsächlich in Erfüllung zu gehen. Doch natürlich stellt sich irgendwann die Frage, woher kommt dieses Glück eigentlich?

Denn während Doreen und Marina ihr neues Leben genießen, häufen sich rund um die Villa merkwürdige und zunehmend schreckliche Ereignisse. Menschen verschwinden, es kommt zu Todesfällen und irgendwann lässt sich nur noch schwer glauben, dass all das Zufall ist. Doreen muss erkennen, dass sie mit dem Haus offenbar mehr bekommen hat als nur ein außergewöhnliches Schnäppchen.

Besonders gelungen fand ich, wie Markus Heitz die Villa selbst fast zu einer eigenen Figur macht. Sie ist nicht einfach nur eine düstere Kulisse, sondern scheint ihre Bewohner wahrzunehmen und auf sie zu reagieren. Gleichzeitig verbindet Heitz klassischen Gothic Horror mit einer sehr modernen Welt. Social Media, Musik, Erfolg und der Wunsch nach Anerkennung treffen auf eine alte Villa mit einer düsteren Vergangenheit. Gerade dieser Gegensatz hat für mich sehr gut funktioniert und gibt der Geschichte ihren eigenen Charakter.


Sehr interessant fand ich auch den zweiten Handlungsstrang um Ethan in London. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter versucht er herauszufinden, was wirklich passiert ist. Seine Nachforschungen führen ihn immer tiefer in eine Geschichte, die schließlich mit der Villa in Leipzig verbunden ist. Die wechselnden Perspektiven haben mir gut gefallen, weil man immer wieder neue Puzzleteile bekommt, ohne sofort zu wissen, wie alles zusammenhängt.


Auch die Beziehung zwischen Doreen und Marina fand ich gelungen. Die beiden sind kein perfektes Mutter-Tochter-Gespann und gerade dadurch wirkt ihre Beziehung glaubwürdig. Gleichzeitig zeigt sich, wie sehr sich die Villa und das, was sie verspricht, auf beide auswirkt.

„Die Villa“ ist für mich ein düsterer, blutiger und stellenweise herrlich makabrer Horrorroman mit einer starken Grundidee. Es geht um Wünsche, Versuchung und die Frage, wie weit man bereit ist zu gehen, wenn das Leben plötzlich genau das zu bieten scheint, was man sich immer gewünscht hat.


Für mich reicht es am Ende nicht ganz für fünf Sterne, dafür haben mir an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefe und Spannung gefehlt. Vier Sterne sind es für mich aber allemal, denn unterhalten und neugierig gemacht hat mich die Geschichte definitiv.

Und nach der Lektüre würde ich mir vermutlich sehr genau überlegen, ob ein Haus für 100 Euro wirklich das unglaubliche Schnäppchen ist, für das man es zunächst hält. 😄