Kurzweilig, blutig, aber für mich kein echter Horror

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Mit „Die Villa“ liefert Markus Heitz auf 327 Seiten eines seiner kürzeren Werke ab. Das Buch macht bereits optisch einiges her – der schön gestaltete Einband fällt ins Auge und bei einigen Händlern war sogar eine Ausgabe mit Farbschnitt erhältlich.

Die Handlung beginnt vielversprechend: Doreen ersteigert eine alte Villa für gerade einmal 100 Euro. Während ihre Tochter Marina dem neuen Zuhause zunächst äußerst skeptisch gegenübersteht, erkennt sie schon bald, dass das Haus ihre geheimsten Wünsche erfüllt – allerdings immer auf Kosten (des Lebens) anderer Menschen.

Wer subtilen Horror mit schleichender Spannung erwartet, wird hier allerdings nicht fündig. Stattdessen setzt Heitz auf ein hohes Tempo und einen enormen Bodycount. Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und zahlreiche Figuren sterben im Verlauf der Handlung. Da viele dieser Nebencharaktere jedoch fragwürdige oder gar bösartige Absichten haben, blieb ihr Ableben für mich häufig überraschend emotionslos und wenig schockierend.

Auch die Figurenzeichnung überzeugt mich nur bedingt. Das Verhältnis zwischen Doreen und Marina bleibt recht oberflächlich beschrieben, und die Nebenfiguren werden oft nur kurz eingeführt, bevor sie bereits wieder aus der Geschichte verschwinden oder schlicht verheitzt werden (Wortspiel). Dadurch fehlt es vielen Charakteren an Tiefe.

Besonders überhastet wirkt die Entwicklung von Marina. Innerhalb weniger Tage wandelt sie sich von einer aufstrebenden Musikerin ohne Plattenvertrag über einen gefeierten Internetstar bis hin zur Drogendealerin und schließlich zu einer von der finsteren Villa besessenen Bewohnerin. Diese Entwicklung erschien mir zu schnell und hätte von einigen zusätzlichen Kapiteln profitiert. Hier hätten dem Roman ein paar Dutzend Seiten mehr gutgetan.

Insgesamt bietet „Die Villa“ ein kurzweiliges Lesevergnügen mit hohem Erzähltempo und reichlich blutigen Szenen. Für mich ist der Roman jedoch eher ein Thriller mit übernatürlichen Elementen als ein klassischer Horrorroman. Viel Blut allein macht für mich noch keinen Horror aus. Zudem reicht das Buch für mich nicht an die Werke von Stephen King heran was die Charakterzeichnung angeht. Markus Heitz bleibt vielmehr seinem Stil treu, den man bereits aus seinen Thriller-Romanen kennt. Wer genau diese Art von temporeicher, geradliniger Unterhaltung schätzt, wird auch mit „Die Villa“ seinen Spaß haben.