Pageturner, der absolut nicht überzeugen konnte

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sonnenscheinchen92 Avatar

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Bei Doreen läuft es nicht so rund, aber irgendwie hatte sie dann doch Glück und bei einer Zwangsversteigerung eine Villa für 100€ ersteigert. Es ist noch einiges zu erledigen, die Villa ist mehr eine Bruchbrude als bezugsfertig, aber kurz danach zieht Doreen mit ihrer Tochter Marina ein. Darauf beginnt es für die beiden super zu laufen, Marinas social media und Gesangskarriere läuft an, Doreen lernt interessante Männer kennen und der Traum vom eigenen Kunstkaffee ist vielleicht gar nicht mehr in so großer Entfernung. Irgendwann muss Doreen dem Grauen in die Augen schauen, denn ihr Glück passiert nicht ohne Gegenleistung.

Ein zweiter Handlungsstrang erzählt die Story von Ethan aus England, dessen Mutter und seine beste Freundin einen ungewöhnlichen Tod sterben. Ethan macht sich auf die Suche nach Antworten und die führen ihn über Umwege nach Deutschland zu einer alten Villa.

Ich muss sagen, das Buch hatte eine große Sogwirkung auf mich und nachdem ich angefangen hatte, konnte ich auch nicht mehr aufhören und habe das Buch in einem Rutsch beendet. Damit hören die positiven Aspekte auch leider schon auf.
Es sind 336 Tickets, die sich nicht wie 336 Seiten angefühlt haben. Vermutlich auch, weil wir alle 2 - 4 Zeilen einen neuen Absatz haben. Während andere Bücher alle 10 - 15 Zeilen Abstand haben, sind es hier eben 2 - 4 und auch einzelne Zeilen in denen nur Tick Tick oder kurze Sätze von 3 - 5 Worten stehen. So lassen sich 336 Seiten natürlich schnelle füllen und auch lesen.

Die Charaktere blieben völlig farblos und ohne Tiefe. Doreen, die Singlemom, die ihrer Tochter die Schuld an dem verkorksten Leben gibt. Wo der VATER ist, wird mit keinem Wort erwähnt, kein Ton zu Unterhalt, keine Kritik gegenüber seinem nicht-da-sein. Nichts. Als hätte Doreen alleine ein Kind bekommt. Aber gut, so kann man(n) Frauen natürlich auch negativ darstellen. Marina, die zurecht keine Lust auf ihre Mutter hat, gerne Sängern wäre, liebend gerne kifft und lieber den einfachen Weg geht. Ethan war wahrscheinlich da um das Buch noch ein bisschen zu füllen und falls dann doch ein Mann das Buch liest, dass sich dieser auch repräsentiert fühlt. Geht ja gar nicht, dass ein Buch nur von Frauen handelt, wenn es ein Mann geschrieben hat. Man(n) erwartet schließlich etwas für sein Geld.

So geht die Handlung seinen Weg. Das Haus wird gruseliger, es passieren schlimme Sachen, Ethan treibt sich in der Welt rum um Antworten zu finden, Doreen findet nicht nur einen korrupten Typen ganz nett, sondern gleich zwei, die ihr nicht gut tun. Es plätschert alles seicht an der Oberfläche. Das Ende war ... ja .. ok. Nichts Neues. So hat man schon etliche Horrorstorys ausgehen sehen und klar hält sich der Autor ein Hintertürchen offen, damit eventuell noch ein 2. Band erscheinen kann. Lieben wir. Nicht. Einfach alle Klischees mitgenommen, die es im Horrorgenre gibt. Wirklich schade um die tolle Idee.

Grusel gibt es hier keinen, dafür Tote en masse. Da ist ein lieber Nachbar, wird ihn doch den Hunden zum Fraß vor. Ein Gewerbetreibender, der 5 Zeilen Auftritt hat. Ach komm, der geht auch gleich vor die Hunde. Bis auf wenige Ausnahmen, nämlich die Hauptfiguren, wurden fast alle Personen eingeführt, damit sie gleich wieder sterben lassen kann. Ja. Großes Kino.