Eine philosophische Wanderung mit einem Esel – atmosphärisch, aber nicht für jeden Leser

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bine525 Avatar

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Andy Merrifield nimmt seine Leser mit auf eine besondere Reise durch die friedvolle Landschaft der Auvergne – begleitet von seinem geliebten Esel Gribouille. In ruhigem Tempo schildert er die gemeinsame Wanderung, beschreibt die Natur eindrucksvoll und führt immer wieder gedankliche Gespräche mit seinem tierischen Begleiter. Dabei wird deutlich, wie tief seine Verbundenheit zu Eseln ist und wie sehr er deren Sanftmut, Gelassenheit und Klugheit schätzt.
Das Buch ist jedoch weit mehr als eine Reiseerzählung. Es ist stark philosophisch geprägt und enthält zahlreiche historische, literarische und kulturelle Bezüge rund um den Esel. Merrifield hinterfragt dabei auch seine eigene Weltanschauung und gelangt zu der Erkenntnis, dass Esel keineswegs störrisch sind, sondern besonnene, intelligente Tiere, von denen wir Menschen durchaus mehr lernen könnten – etwa Geduld, Achtsamkeit und Entschleunigung.
Genau dieser philosophische Ansatz konnte mich allerdings nicht überzeugen. Nach den ersten Seiten war ich noch voller Hoffnung, dass mich die Geschichte in ihren Bann ziehen würde. Ich hatte eine warmherzige, lebensnahe Erzählung erwartet – vielleicht vergleichbar mit der poetischen Leichtigkeit von Der kleine Prinz. Stattdessen entwickelt sich das Buch zunehmend zu einer essayistischen Betrachtung mit vielen literarischen Verweisen und philosophischen Exkursen.
Dadurch wirkte die Handlung auf mich stellenweise langatmig und zu ausufernd. Anstatt selbst zur Ruhe zu kommen und die entschleunigende Wirkung der Wanderung mitzuerleben, empfand ich die vielen gedanklichen Abschweifungen eher als ermüdend.
Dennoch bleibt die große Liebe des Autors zu seinem Esel auf jeder Seite spürbar und verleiht dem Buch eine besondere Authentizität. Wer Freude an philosophischen Betrachtungen, literarischen Bezügen und einer sehr ruhigen Erzählweise hat, dürfte hier viel entdecken. Wer hingegen – so wie ich – eher eine erzählerische Geschichte mit emotionalem Fokus erwartet, könnte sich schwerer damit tun.

Fazit: Ein ungewöhnliches Buch über Mensch, Tier und die Kunst der Entschleunigung, das mit seiner tiefen Wertschätzung für Esel beeindruckt. Für philosophisch interessierte Leser sicherlich bereichernd – für mich jedoch insgesamt zu theoretisch und ausschweifend, sodass die eigentliche Reise leider an Wirkung verlor.