Poetischer Wandergenuss mit einigen langen Umwegen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
mei.ke Avatar

Von

Vorweg natürlich das Positive: Andy Merrifield schreibt unglaublich poetisch; seine Sätze sind zwar sehr verschachtelt, aber niemals grundlos überladen. Seine Sprache ist sehr harmonisch, und allein vom Zeilenfluss her habe ich dieses Buch sehr gerne gelesen.

Das Grundthema, die Wanderung durch die französische Auvergne mit einem Esel als Begleiter, fand ich richtig schön. Dank der lyrischen Schreibweise war man als Lesende:r immer mittendrin; ich konnte den Morgentau glitzern sehen und hatte den Geruch von warmem, frischem Baguette in der Nase. Ich spürte das dichte Fell von Gribouille unter meinen Händen und die spitzen Steinchen unter meiner Schuhsohle.

Der Titel ist sehr gut gewählt, denn Esel strahlen in der Tat eine Weisheit und Gelassenheit aus, die uns Menschen, die wir meist nur Stress und Hektik kennen, erden kann – so wie sie auch Andy Merrifield half, wieder zu sich selbst zu finden.

Teilweise ermüdend und folglich nicht so mitreißend fand ich die Berichte und Erzählungen von – nun ja, gefühlt allen – Begebenheiten, in denen ein Esel vorkommt: Esel in der Religion, Esel in Romanen (hier: Sancho Panzas Esel in Don Quijote), Esel in der Kunstgeschichte, Esel in Sagen und Märchen; ja, sogar Gedichte, in denen Esel erwähnt wurden, kamen zur Sprache. Man merkt, dass sich der Autor mit der Esel-Thematik stark auseinandergesetzt und viel recherchiert hat. Das finde ich durchaus bewundernswert. Leider haben diese Passagen dazu geführt, dass mir ein- oder zweimal die Augen zugefallen sind.

Abschließend möchte ich noch das Cover loben, das mir in seiner Schlichtheit und dem eselgrauen Farbton sehr gut gefällt. :)