Atmosphärischer Auftakt mit viel Potenzial

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ju_li Avatar

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Die weiße Nacht bietet einen gelungenen Einstieg in eine Reihe, von der ich mir definitiv noch weitere Bände wünsche. Die Geschichte spielt zur Weihnachtszeit im Jahr 1946, als mitten im Schnee eine Leiche entdeckt wird. Lou findet den Toten und macht sofort einige Fotos, da ihr an der Platzierung der Leiche etwas merkwürdig erscheint. Kurz darauf beginnt Kommissar König mit den Ermittlungen – oder versucht es zumindest.

Tatsächlich rückte die eigentliche Ermittlungsarbeit für meinen Geschmack stellenweise etwas zu sehr in den Hintergrund. Dennoch wurde die Geschichte dadurch keineswegs langweilig oder zäh. Ganz im Gegenteil: Ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es unglaublich spannend war, die verschiedenen Charaktere dabei zu begleiten, wie sie ein Jahr nach dem Krieg noch immer ums Überleben kämpfen und versuchen, mit den Erlebnissen der Vergangenheit zurechtzukommen.

Einige Handlungsstränge haben sich mir erst nach und nach erschlossen, andere wurden in diesem Band vermutlich bewusst noch nicht vollständig aufgelöst. Gerade das macht jedoch neugierig auf mögliche Fortsetzungen.

Besonders gelungen fand ich die Charaktere. Jede Figur trägt ihre ganz eigenen Wunden aus der Kriegszeit mit sich, und obwohl man im Laufe der Geschichte immer wieder kleine Einblicke erhält, hatte ich das Gefühl, dass wir bisher nur an der Oberfläche gekratzt haben. Genau darin steckt großes Potenzial für weitere Bände. Auch die Zusammenhänge rund um die Morde werden nur Stück für Stück enthüllt, sodass sich das Gesamtbild erst langsam zusammensetzt. Gleichzeitig wird deutlich, wie schwierig Ermittlungen unter den Bedingungen der Nachkriegszeit überhaupt sind – ein kaum ausgestattetes Polizeirevier macht die Arbeit schließlich nicht einfacher.

Wer Geschichten rund um die Nachkriegszeit spannend findet und weniger Wert auf klassische, hochkomplexe Ermittlungsarbeit legt, wird an diesem Buch sicherlich Gefallen finden. Der Schreibstil ist angenehm flüssig, und die winterliche Kulisse erzeugt eine kühle, bedrückende Atmosphäre, die perfekt zur Geschichte passt. Insgesamt ein atmosphärischer Reihenauftakt, der neugierig auf mehr macht.