Emotional packender historischer Krimi

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la calavera catrina Avatar

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Anne Stern versetzt einen in die unmittelbare Nachkriegszeit, in das nach Besatzungszonen aufgeteilte und von Versorgungskrisen betroffene Berlin. In diesem kalten Dezember fehlt es an Essen und Wärme, der Ruf der Polizei ist dahin und die Nerven der Leute am Ende. Ausgerecht jetzt geschieht ein Mord und die Kripo Berlin ermittelt. Unterschiedliche Figuren oder Schauplätze werden beleuchtet. Die Fotografin Lou findet die Frauenleiche in einer Ruine und fotografiert sie. Alfred König ermittelt. Ein einprägsamer Mann mit eingeschränkter Mobilität und Augenklappe, den man erst später einzuordnen weiß. Beide arbeiten schließlich zusammen, um den Fall aufzuklären. Weitere Erzählstränge handeln von den Kindern Justus und Gerti, die sich auf der Straße durchschlagen, und dem deportierten Gregor. Natürlich kreuzen sich manche Wege im Laufe des Buches, aber es wird nicht alles offen gelegt, was auf eine Fortsetzung deutet.
Anna Stern schreibt so eindringlich und auf den Punkt recherchiert, dass man sich mühelos in die Geschichte hineinversetzten kann. Sie vermittelt eine Vorstellung davon, wie es gewesen ist, wie den Menschen damals zu Mute gewesen sein könnte und greift schockierende Themen auf, die sich in diesen spannenden Kriminalfall perfekt einfügen. Es herrscht eine bedrückende von Schwermut getragene Stimmung, düster und zuweilen auch traurig und nachdenklich. Wenn man sich auf die Stimmung und das Setting einlassen kann, bietet dieser Krimi sehr viel mehr als einen spannenden Fall. Wirkt lange nach und wirft wichtige Fragen auf.