Meisterhafte Verbindung von authentischer Historie und Krimi

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susank Avatar

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Die junge Fotografie Lou Faber streift im eiskalten Hungerwinter durch Berlin, auf der Suche nach Motiven, die ihren Lebensunterhalt sichern könnten. Eine junge Frau, die mit gefalteten Händen tot im Schnee liegt, wird von Lou fotografiert; und diese Bilder lassen ihr keine Ruhe, sie beginnt nachzuforschen. Offiziell mit den Mord-Ermittlungen beauftragt wird der Kriminalkommissar Alfred König, für den Lous Fotos und ihre messerscharfen Beobachtungen und Analysen bald unverzichtbar werden. So kommen beide abscheulichen Machenschaften auf die Spur, wobei Lou selbst in Gefahr gerät....

Die deutsche Bestseller-Autorin Anne Stern, bekannt für ihre historischen Romane, die oft im Berlin des 19. und 20. Jahrhunderts spielen, und die insbesondere für die erfolgreiche Reihe um die Hebamme "Fräulein Gold" bekannt ist, legt mit "DIe weiße Nacht" den Autakt zu einer neuen Krimiserie um den geheimnisumwitterten Kriminalkommissar Alfred König und die aufmerksame Fotografin Lou Faber vor. (Ich muss zugeben, dass es mich nicht nur aus femininer Sichtweise verwundert hat, dass die Reihe "Lou und König heißt - also die Frau nur mit Vornamen, der Mann mit Nachnamen benannt wird.)

Als promovierte HIstorikerin hat Anne Stern einmal wieder nicht nur genauestens recherchiert, sondern es gelingt ihr auf wunderbare Art und Weise, die äußeren Umstände und das schwere Leben im Nachkriegs-Berlin des Winters 1946/47 den Leser*Innen vor Augen zu führen. Sehr berührt haben mich die Beschreibungen der eisigen Kälte und des Hungers der Menschen im zerbombten Berlin und ihre Bemühungen, zumindest auf den Schwarzmärkten das Überleben zu sichern. Auch die Aufteilung der Stadt in die vier Besatzungszonen und die sich hieraus ergebenden Umstände waren eindringlich. Die Nachwirkungen des Krieges sind präsent, während das Handeln auf das tägliche Überleben ausgerichtet ist.

Sterns Erzählweise ist klar und ruhig und geht unter die Haut. DIe Spannungskurve zieht sich vom ersten Moment an durch die Handlung; nach einigen durchaus überraschenden Wendungen wird der Fall der Toten mit ihren Hintergründen aufgedeckt - und dennoch erwartet uns am Ende ein fieser Cliffhanger, der erst im nachfolgenden zweiten Band bearbeitet werden wird, dessen Erscheinungstermin noch offen ist.

Begeistert haben mich einmal mehr die Figuren. DIe beiden namensgebenden Lou Faber und Alfred König sind mehrdimensionale Charaktere mit Ecken und Kanten und insbesondere König schleppt ein erdrückendes Geheimnis mit sich herum,; doch auch in Lous Leben scheint es Rätsel zu geben. DIe Entwicklung der Figuren und ihre vorsichtige Annäherung zu dem Ermittler-Paar, das der Name der Reihe verspricht, ist spannend zu verfolgen - sind sie sich doch anfangs alles andere als sympathisch und sehr diskrepant in ihren Handlungen. Darüberhinaus haben mich auch die weiteren Figuren absolut fesseln können; sei es der Königs junger Kollege Trautwein, Emil, Gregor oder Bruno, Lous Mitbewohner, dessen Geschichte zwar unausgesprochen bleibt, doch sehr nahe geht. Trotz viele Andeutungen und Leerstellen wirkte die Geschichte stets intensiv, schlüssig und authentisch.

Besonders ansprechend war es, die Geschichte, in der Kälte und Schnee (und auch das Weihnachtsfest) eine große Rolle spielen, in diesem WInter zu lesen - doch das soll niemanden abhalten, das BUch jederzeit zur Hand zu nehmen!

Für Leser*Innen, die eine rasante Krimihandlung bevorzugen ohne viel Ablenkungen, ist dieses Buch eher ungeeignet, aber:
Anne Stern ist es geradzu meisterhaft gelungen, Geschichte und Krimi zu verbinden und authentisch und spannend zu erzählen. Für mich gehört "DIe weiße Nacht" zu den HIghlights des Jahres und ich kann es nur wärmstens empfehlen an interessierte Leser*Innen.