Farbenfrohe Adaption mit schwulem Helden
In Thilo Krapps Adaption der „Zeitmaschine“ von H.G.Wells (1895) treffen sich namentlich nicht genannte Wissenschaftler und Honoratioren wöchentlich, um z. B. über das noch nicht ausgereifte Projekt einer Zeitreisemaschine zu diskutieren. Von der Maschine existieren bereits ein handgroßes und ein verkehrstüchtiges Modell. Besonders emotional geht es zwischen dem Zeitreisenden Henry und David Filby zu. In der Graphic Novel Thilo Krapps deutet Henry noch verschämt an, dass er nie glücklich sein und eine Familie haben wird …
Anders als wir heute erwarten könnten, tragen die anwesenden Männer in der GN keine identischen Anzüge in gedeckten Farben, sondern lassen sich durch Kleidungsfarbe, Haar- und Barttracht sehr gut unterscheiden. In der Originalausgabe bleiben die Teilnehmer nur Kulisse, indem sie nüchtern mit Alter, Beruf oder Status benannt werden (der junge Mann, der stille Mann, Bürgermeister, Journalist, Doktor, Psychologe). In Krapps Geschichte bricht Henry im Überschwang der Gefühle auf, ohne den Landungspunkt in einer anderen Epoche exakt bestimmen zu können und landet schließlich im Jahr 802701, bei den aus dem Original vertrauten harmlosen Eloi (die offenbar „die Genderfrage überwunden“ haben) und den Morlocks. Mir fehlt allerdings in der Adaption die Selbstkritik, die Henry im Originaltext zeigt, als er realisiert, dass er die beiden Völker idealisiert und voreilig – politisch – bewertet.
Handwerklich ist der Band ein robustes fadengeheftetes Hardcover mit angenehm leserlicher Schrifttype und farbenfrohen Illustrationen. Das Cover hat mich nicht angezogen, weil ich das Zeitmaschinchen eher als Jugendstil-Tischchen denn als Illustration einer Utopie oder Antiutopie einordnen konnte. Gefallen haben mir das naturweiße/off-white Papier des Titelblatts und besonders die 6 Doppelseiten im Anhang zur Entstehung der Illustrationen.
Fazit
Da "Die Zeitmaschine" in einer ihrer Ausgaben 1895 als Fortsetzungsroman in einer Monatszeitschrift erschien und damit nicht nur das gebildete Bürgertum erreichen konnte, finde ich jede Neuübersetzung oder Adaption aus heutiger Sicht interessant. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass Wells Zeitreisender in der Neuerzählung zunächst verhalten und später offen homosexuell gezeigt wird.
Der Verlag empfiehlt die Graphic Novel ab 12 Jahre. Zu berücksichtigen ist, dass die Darstellung der aggressiven Morlocks nichts für sensible Betrachter:innen ist.
Anders als wir heute erwarten könnten, tragen die anwesenden Männer in der GN keine identischen Anzüge in gedeckten Farben, sondern lassen sich durch Kleidungsfarbe, Haar- und Barttracht sehr gut unterscheiden. In der Originalausgabe bleiben die Teilnehmer nur Kulisse, indem sie nüchtern mit Alter, Beruf oder Status benannt werden (der junge Mann, der stille Mann, Bürgermeister, Journalist, Doktor, Psychologe). In Krapps Geschichte bricht Henry im Überschwang der Gefühle auf, ohne den Landungspunkt in einer anderen Epoche exakt bestimmen zu können und landet schließlich im Jahr 802701, bei den aus dem Original vertrauten harmlosen Eloi (die offenbar „die Genderfrage überwunden“ haben) und den Morlocks. Mir fehlt allerdings in der Adaption die Selbstkritik, die Henry im Originaltext zeigt, als er realisiert, dass er die beiden Völker idealisiert und voreilig – politisch – bewertet.
Handwerklich ist der Band ein robustes fadengeheftetes Hardcover mit angenehm leserlicher Schrifttype und farbenfrohen Illustrationen. Das Cover hat mich nicht angezogen, weil ich das Zeitmaschinchen eher als Jugendstil-Tischchen denn als Illustration einer Utopie oder Antiutopie einordnen konnte. Gefallen haben mir das naturweiße/off-white Papier des Titelblatts und besonders die 6 Doppelseiten im Anhang zur Entstehung der Illustrationen.
Fazit
Da "Die Zeitmaschine" in einer ihrer Ausgaben 1895 als Fortsetzungsroman in einer Monatszeitschrift erschien und damit nicht nur das gebildete Bürgertum erreichen konnte, finde ich jede Neuübersetzung oder Adaption aus heutiger Sicht interessant. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass Wells Zeitreisender in der Neuerzählung zunächst verhalten und später offen homosexuell gezeigt wird.
Der Verlag empfiehlt die Graphic Novel ab 12 Jahre. Zu berücksichtigen ist, dass die Darstellung der aggressiven Morlocks nichts für sensible Betrachter:innen ist.