Queere Adaption eines Klassikers, wunderschön illustriert, dennoch nicht so ganz meins

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**Inhaltsangabe Verlag:**
Graphic Novel Ausgabe des Science-Fiction-Klassikers »Die Zeitmaschine« von HG Wells
Ende des 19. Jahrhunderts baut ein Mann eine Maschine, mit der er beabsichtigt, durch die Zeit zu reisen. Seine Freunde schenken ihm keinen Glauben, doch er bricht schließlich auf, um ein Ereignis in seiner Vergangenheit rückgängig zu machen. Als die Reise gelingt und er begreift, dass Vergangenes nicht zu ändern ist, reist er in die Zukunft und stößt dort auf eine dystopische Welt, in der mit Eloi und Morlocks zwei gänzlich verschiedene Gesellschaftsgruppen existieren. Während die friedliebenden Eloi an der Oberfläche leben, machen die in der Unterwelt hausenden Morlocks Jagd auf die Eloi. Der Zeitreisende sieht sich vor die Frage gestellt, ob die Zukunft der Vergangenheit nicht viel ähnlicher ist, als er gedacht hätte.

**Meine Inhaltsangabe:**
Erfinder Henry hat eine Zeitmaschine gebaut und stellt sie seinen Freunden vor. Die halten seine Idee für Hirngespinste. Henry jedoch reist zunächst drei Jahre zurück, um seinen ehemaligen Liebhaber, der sich damals von ihm getrennt hat, umzustimmen. Doch er hat keinen Erfolg und sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr, in dem er seine wahres Ich verstecken muss, in dem er nie eine Familie haben wird und nie so leben können wird, wie er sich das wünscht. Und so entschließt er sich, in die Zukunft zu reisen. Er landet im Jahr 802.701 und trifft auf das Volk der Eloi und auf Jibu, der ihm die Gegend zeigt. Die Eloi sind alle unter 30 Jahren, friedfertig, fast naiv. Doch unterhalb der Oberfläche gibt es die Morlocks, die offensichtlich Jagd auf die Eloi machen und die Henrys Zeitmaschine in ihren Besitz gebracht haben. Henry muss handeln und eine Entscheidung treffen: zurück in sein altes, einsames Leben oder hier bei Jibu bleiben und mit ihm zusammen das einfache, aber gefährliche Leben in der Zukunft verbringen.

Erster Satz: »Verzeihung, Henry – aber das ist mir zu hoch.«

**Mein Eindruck:**
Ich liebe die Geschichte, vor allem die Verfilmung von 1960. Klar, dass ich daher die Graphic Novel lesen wollte. Das Cover ist jetzt tatsächlich nicht so mein Ding, dafür sind die Illustrationen im Inneren umso schöner. Detailreich und in wunderschönen, stimmungsvollen Farben transportieren sie die Geschichte anschaulich. Die Geschichte selbst hat mich dann aber doch ziemlich überrascht, da sie zwar in Zügen natürlich mit dem Original übereinstimmt, der Erfinder Henry aber hier homosexuell ist, einer damals noch verbotenen Liebesbeziehung zu einem Mann nachtrauert und in der Zukunft nicht auf die Eloi Weena trifft und sich in sie verliebt, sondern auf den jungen Eloi Jibu. Das ist künstlerische Freiheit und völlig okay, jedoch hat es mir einfach nicht so gefallen, da ich die Erwartung hatte, eine mit dem Original übereinstimmende Graphic Novel zu lesen. Auch waren mir die Morlocks zu wenig präsent bzw. deren grausame Beziehung zu den Elois. Es ging mir viel zu viel um Henry, seinen Liebeskummer und seine Verliebtheit in Jibu. Insgesamt war es mir zu langatmig und wenig in die Tiefe gehend.
Im Anhang bekomme ich dann noch einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Zeichnungen, ein bisschen was zum Autor/Illustrator selbst und seine Beweggründe, aus der Zeitmaschine eine queere Graphic Novel zu machen und eine kleine Abhandlung zum Thema Zeit bzw. Zeitreisen.

Fazit: rein optisch ein echter Hingucker und wunderschön anzusehen. Inhaltlich hätte ich mir mehr Originalnähe gewünscht. Das ist aber meine ganz persönliche Meinung, weil ich bei Zeitmaschine immer den 1960er Film im Kopf habe, den ich sehr oft gesehen habe, weil ich ihn einfach unglaublich liebe. 3/5 Sterne.

⌛Vielen Dank an CARLSEN und VORABLESEN für das Rezensionsexemplar⌛