Absolute Leseempfehlung!

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jannehanne Avatar

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Nach "Die schönste Version" legt Ruth-Maria Thomas mit "Die zweitgrößte Liebe" nach – und hachja, was für ein großartiger Roman! Michelle und Henry könnten unterschiedlicher nicht sein: sie aus dem Osten, mit Schulden und einem gescheiterten Schmuckladen im Gepäck, er aus dem Westen und einer Familie, wo Geld noch nie ein Thema war. Und trotzdem verlieben sie sich.
Genau darum geht's im Grunde: Herkunft, Geld, Bildung – wir schleppen das alles mit in jede Beziehung, ob wir wollen oder nicht. Es prägt, wie wir lieben, wie wir streiten, was wir vom anderen erwarten. Der Titel trifft's perfekt: Die "große" Liebe ist eher ein Wunschbild – die "zweitgrößte" Liebe ist die, die wirklich passiert, mit allen Ecken und Kanten.
Total spannend fand ich, wie in der erzählten Geschichte des Paares deutlich wird, dass Menschen aus Ost und West einfach mit ganz anderen Startbedingungen ins Leben gestartet sind – und sich trotzdem, jede und jeder auf ihre/seine Art, durchgekämpft haben: Familien gegründet, Krisen überstanden, sich immer wieder neu erfunden. Das "Erbe", das hier mitschwingt, ist dabei vordergründig Geld oder Besitz, im Kern jedoch geht es um eine tief verankerte Haltung, die viel schwerer zu begreifen und zu beschreiben ist.
Aber gerade das zu beschreiben und zu erzählen gelingt Ruth Maria Thomas einfach wunderbar- sprachlich trifft sie Nuancen und Ambivalenzen ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Man ist super nah dran an den beiden - irgendwie konnte ich mich in beide reinversetzen. Fans von Thomas' Debüt werden in Mishelle übrigens Shelly, die beste Freundin von Jella, aus "Die schönste Version" Wiederentdeckung. Mir persönlich machen so kleine Verbindungen immer sehr viel Spaß.
Was den Roman für mich so besonders macht: Er erzählt ein gesellschaftliches Thema anhand einer Paarbeziehung, zeigt Ambivalenzen und Grautöne, wird dabei beiden Seiten sehr gerecht. Absolute Leseempfehlung!