Das Bildnis einer Beziehung
"Es schmerzte in ihrer Brust, weil sie sich nicht in diesem Bild ausruhen konnte. Wo waren Maurice und Húng, Lara und Claudia und die getauften Kinder, die Henry sich wünschte, es passte nicht ins Bild, sie schaffte es nicht, sich all das zusammen vorzustellen."
Inhalt
Als sich Henry und Michelle kennenlernen passt einfach alles, füreinander sind sie wie Sonne und Mond, endlich ein Gegenüber, dem man volles Vertrauen entgegenbringt, der das eigene Leben leicht und schön erscheinen lässt und mit dem eine Zukunft mehr als verheißungsvoll erscheint. Aus einem emotionalen Strohfeuer erwacht bald die Art von Liebe, die sich jeder wünscht und da kann man über kleine Differenzen hinwegsehen. Für Michelle ist es nicht leicht, sich in das unbedarfte, sorgenfreie Leben ihres neuen Partners einzufinden, doch obwohl sie ein Konto voller Schulden hat, einen Bruder, den sie finanziell unterstützen möchte und mittlerweile Gelegenheitsdiebstähle kultiviert hat, um irgendwie über die Runden zu kommen, empfindet sie großen Respekt vor Henry. Dieser teilt vollkommen uneigennützig mit ihr, lässt sie in seine Wohnung ziehen, finanziert ihren Lebensunterhalt und motiviert sie dazu, endlich ihrer Passion nachzugehen, anstatt dem schlecht bezahlten Aushilfsjob an der Hotelrezeption. Doch nach zweieinhalb Jahren wird deutlich, wie unterschiedlich ihre Maßstäbe sind, wie ein unausgewogenes Verständnis von Besitz und Geld zu immer größeren Brüchen führt und letztlich zu der Einsicht, dass die Liebe nicht jede Lücke zu füllen vermag ...
Meinung
Dieses Buch habe ich mir direkt als Wunschbuch bei vorablesen gesichert, nachdem mich der Vorgängerroman der deutschen Nachwuchsautorin Ruth-Maria Thomas dermaßen fasziniert hat, dass ich mir sicher war, hier zumindest die "zweitgrößte Liebe" zu finden. Aufgrund der gesteigerten Erwartungshaltung, habe ich hier zwischen den Zeilen immer noch etwas mehr gesucht: mehr Tiefe, mehr Verständnis, mehr Emotionen. Die beiden Protagonisten empfand ich hier etwas zu klar umrissen, teilweise mit vorhersehbaren Gefühlen und dennoch mit einer gewissen Distanz. Im Vordergrund der Erzählung steht hier nicht die perfekte Beziehung, sondern die unterschiedlichen Prämissen der handelnden Personen, die aus vollkommen anderen sozialen Schichten stammen. Das latente Unverständnis des einen über die seltsamen Befindlichkeiten des anderen im Umgang mit Geld häuft sich, kleine Risse tun sich auf, die schließlich zu tieferen Gräben wachsen. Es ist gleichsam eine Milieustudie über verschiedene Ausgangssituationen in diversen Gesellschaftsschichten und damit sind nicht nur materielle Werte verbunden, sondern auch Ängste, Wünsche und Hoffnungen für die Gegenwart und Zukunft. Zwischen Faszination, kontrolliertem Nachgeben und der Erfüllung der eigenen Vorstellungen zwischen den Partnern handelt dieses Buch. Der Schreibstil ist einprägsam, akzentuiert und bringt vieles auf den Punkt. Der Roman liest sich sehr gut und hinterlässt eine gewisse Beklemmung aber auch ein tieferes Erkennen.
Fazit
Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen ausgereiften, speziellen und nachvollziehbaren Roman, der mich dennoch weniger gefesselt hat, als erhofft. Vielleicht ist das ein ganz persönliches Empfinden, denn obwohl ich sowohl Michelle als auch Henry absolut glaubwürdig und konsequent empfand, bleibt hier die Thematik zu banal. Irgendwie hatte ich beim Lesen immer das Gefühl: das kennst du doch, es gibt zahlreiche solche Beispiele. Irgendwie hätte ich mir weitere Ansatzpunkte gewünscht, bzw. mehr Eindrücke von außen, von Familienmitgliedern, Freunden oder Arbeitskollegen. Darüber hinaus hätte es hier eigentlich gut klappen können, wenn man außer Liebe und Sex wirklich aufrichtige, intensive Gespräche geführt hätte. Manchmal war mir Henry einfach zu weich und unentschlossen und Michelle zu hart und verbohrt. Klar, niemand kann über seinen Schatten springen und die Ursachen wurden hier umfassend beleuchtet, nur zwischendrin hätte es vielleicht diesen einen Weg gegeben, der hier für ein Gelingen der Beziehung möglich gewesen wäre. Die Autorin hat ihn nicht gewählt, sondern ihre Protagonistin in ihr eigenes Leben entlassen:
"Aber ich kann dir nicht beides geben: ich bleiben und gleichzeitig die werden, die wirklich in deine Welt passt."
Ein sehr lesenswertes Buch, mit winzigen Abstrichen für mich und wenn das nächste Werk der Autorin erscheint, bin ich definitiv wieder mit im Boot.
Inhalt
Als sich Henry und Michelle kennenlernen passt einfach alles, füreinander sind sie wie Sonne und Mond, endlich ein Gegenüber, dem man volles Vertrauen entgegenbringt, der das eigene Leben leicht und schön erscheinen lässt und mit dem eine Zukunft mehr als verheißungsvoll erscheint. Aus einem emotionalen Strohfeuer erwacht bald die Art von Liebe, die sich jeder wünscht und da kann man über kleine Differenzen hinwegsehen. Für Michelle ist es nicht leicht, sich in das unbedarfte, sorgenfreie Leben ihres neuen Partners einzufinden, doch obwohl sie ein Konto voller Schulden hat, einen Bruder, den sie finanziell unterstützen möchte und mittlerweile Gelegenheitsdiebstähle kultiviert hat, um irgendwie über die Runden zu kommen, empfindet sie großen Respekt vor Henry. Dieser teilt vollkommen uneigennützig mit ihr, lässt sie in seine Wohnung ziehen, finanziert ihren Lebensunterhalt und motiviert sie dazu, endlich ihrer Passion nachzugehen, anstatt dem schlecht bezahlten Aushilfsjob an der Hotelrezeption. Doch nach zweieinhalb Jahren wird deutlich, wie unterschiedlich ihre Maßstäbe sind, wie ein unausgewogenes Verständnis von Besitz und Geld zu immer größeren Brüchen führt und letztlich zu der Einsicht, dass die Liebe nicht jede Lücke zu füllen vermag ...
Meinung
Dieses Buch habe ich mir direkt als Wunschbuch bei vorablesen gesichert, nachdem mich der Vorgängerroman der deutschen Nachwuchsautorin Ruth-Maria Thomas dermaßen fasziniert hat, dass ich mir sicher war, hier zumindest die "zweitgrößte Liebe" zu finden. Aufgrund der gesteigerten Erwartungshaltung, habe ich hier zwischen den Zeilen immer noch etwas mehr gesucht: mehr Tiefe, mehr Verständnis, mehr Emotionen. Die beiden Protagonisten empfand ich hier etwas zu klar umrissen, teilweise mit vorhersehbaren Gefühlen und dennoch mit einer gewissen Distanz. Im Vordergrund der Erzählung steht hier nicht die perfekte Beziehung, sondern die unterschiedlichen Prämissen der handelnden Personen, die aus vollkommen anderen sozialen Schichten stammen. Das latente Unverständnis des einen über die seltsamen Befindlichkeiten des anderen im Umgang mit Geld häuft sich, kleine Risse tun sich auf, die schließlich zu tieferen Gräben wachsen. Es ist gleichsam eine Milieustudie über verschiedene Ausgangssituationen in diversen Gesellschaftsschichten und damit sind nicht nur materielle Werte verbunden, sondern auch Ängste, Wünsche und Hoffnungen für die Gegenwart und Zukunft. Zwischen Faszination, kontrolliertem Nachgeben und der Erfüllung der eigenen Vorstellungen zwischen den Partnern handelt dieses Buch. Der Schreibstil ist einprägsam, akzentuiert und bringt vieles auf den Punkt. Der Roman liest sich sehr gut und hinterlässt eine gewisse Beklemmung aber auch ein tieferes Erkennen.
Fazit
Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen ausgereiften, speziellen und nachvollziehbaren Roman, der mich dennoch weniger gefesselt hat, als erhofft. Vielleicht ist das ein ganz persönliches Empfinden, denn obwohl ich sowohl Michelle als auch Henry absolut glaubwürdig und konsequent empfand, bleibt hier die Thematik zu banal. Irgendwie hatte ich beim Lesen immer das Gefühl: das kennst du doch, es gibt zahlreiche solche Beispiele. Irgendwie hätte ich mir weitere Ansatzpunkte gewünscht, bzw. mehr Eindrücke von außen, von Familienmitgliedern, Freunden oder Arbeitskollegen. Darüber hinaus hätte es hier eigentlich gut klappen können, wenn man außer Liebe und Sex wirklich aufrichtige, intensive Gespräche geführt hätte. Manchmal war mir Henry einfach zu weich und unentschlossen und Michelle zu hart und verbohrt. Klar, niemand kann über seinen Schatten springen und die Ursachen wurden hier umfassend beleuchtet, nur zwischendrin hätte es vielleicht diesen einen Weg gegeben, der hier für ein Gelingen der Beziehung möglich gewesen wäre. Die Autorin hat ihn nicht gewählt, sondern ihre Protagonistin in ihr eigenes Leben entlassen:
"Aber ich kann dir nicht beides geben: ich bleiben und gleichzeitig die werden, die wirklich in deine Welt passt."
Ein sehr lesenswertes Buch, mit winzigen Abstrichen für mich und wenn das nächste Werk der Autorin erscheint, bin ich definitiv wieder mit im Boot.