Die erste große Liebe ist die Freiheit

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sophia95 Avatar

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Als Michelle ihren Traum vom eigenen Schmuckladen aufgeben muss und nach Hamburg zieht, bricht für sie das Leben ein Stück weit auseinander. Um weiterhin Geld zu verdienen bewirbt sie sich als Rezeptionistin in einem Hotel. Ab diesem Zeitpunkt sieht sie eine Welt, die ihr bisher verborgen blieb: Sie erlebt Luxus, Reichtum und Sorglosigkeit. Und sie trifft Henry - der so ganz anders ist, als all die anderen Männer, die sie kennt. Vor allem auch, weil er reich ist. Zwischen den beiden entsteht eine Liebe, die für Michelle vor allem zu Beginn "zu schön" scheint und durch due Unterschiede zwischen Michelle und Henry immer wieder ins Wanken gerät.

Ruth Maria Thomas hat es wieder getan. In "Die Zweitgrößte Liebe" schafft sie es viele Themen zu vereinen. Es geht um finanzielle Ungleichheit, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten in Ost- und Westdeutschland sein können und auch, welches Machtgefälle dadurch in Beziehungen entstehen kann. Direkt zu Beginn wird klar, dass Henrys Gefühle für Michelle auch durch eine Art Faszination getragen werden. Ihre Erfahrungen der Kindheit, die so unterschiedlich zu seinem eigenen, eher behüteten Aufwachsen sind, ziehen ihn wie magisch an und er möchte am liebsten alles über sie erfahren. Dass er sehr viel wohlhabender ist als Michelle - und auch aus einer wohlhabenden Familie stammt - ist immer wieder Thema. Immer wieder zeigt sich, dass auch Henry sich dessen bewusst ist, ihr Dinge kaufen will, bemerkt, dass sie in der "Welt des Reichtums" noch nicht so bewandert ist wie er.

Michelles hingegen ist für mich nicht unbedingt ein likeable character, aber sie ist auf jeden Fall authentisch geschrieben. Sie weiß, wie sie bekommt, was sie will - vor allem von Männern. Bei Henry ist es in dem Fall eben auch sein Geld. Doch diese finanzielle Sicherheit, die sie mit Henry spürt, reicht nur bis zu dem Punkt, an dem sie ihre Freiheit und Unabhängigkeit für ihn aufgeben müssste. Das ist wahrscheinlich Michelles größter Wunsch: Unabhängigkeit, (finanziell) frei sein und machen können, was man will - auch wenn das dann bedeutet, die Liebe zu verlieren. Für mich reicht "Zweitgrößte Liebe" zwar nicht an "Die schönste Version" heran, aber ich finde die Thematik des Buches unglaublich wichtig und lesenswert. Definitiv ein weiterer Ruth Maria Thomas Roman, den ich empfehlen werde!