Eine Liebesgeschichte, die von der Realität eingeholt wird
Die Liebe zwischen Michelle (oder richtigerweise Mishelle) und Henry beginnt wie im Märchen. Der schöne Prinz mit ausreichend finanziellen Mitteln trifft das schöne, aber leider bettelarme Mädchen in einem Luxushotel. Was so romantisch beginnt, führt den Leser durch eine Beziehung voller Anziehung, Leidenschaft und Liebe, aber auch voller Gegensätze, Unverständnis und Gräben. In Michelles Leben spielt Geld immer eine bestimmende Rolle, war es doch nie da. Für Henry ist es eine Selbstverständlichkeit, man hat es einfach. Dennoch stürzen sich die beiden in diese ungleiche Romanze, ziehen zusammen, feiern Weihnachten in seiner Familie, verbringen tolle Urlaube. Doch Michelle fühlt sich fremd in dieser Welt und kann sich Henry nicht wirklich öffnen. Dieser überschüttet sie mit Liebe und will ihre berufliche Selbstständigkeit unterstützen. Schließlich eskaliert die Situation. Die Handlung gefällt mir, der Schreibstil auch. Direkt, klar, mal traurig, mal lustig. Auf den Punkt. Die Figuren sind einnehmend, trotz ihrer Ambivalenz. Trotzdem spüre ich nach und nach eine gewisse Abneigung gegenüber Michelle, die mir letztendlich immer egoistischer vorkommt. Ich kann ihr Verhalten nicht so wirklich nachvollziehen, liebt sie Henry doch. Hätte man es nicht schaffen können, die Gräben zu überwinden? Das bleibt letztlich als Frage bei mir zurück. War es das wert? Ein klug geschriebener Roman über zwei Menschen, die sich lieben und an den unterschiedlichen Lebensumständen verzweifeln.