Geschichte mit Substanz

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Die Arbeit im Hotel in der Großstadt war eigentlich nur eine Notlösung für Michelle, eine Überbrückung damit sie die Schulden möglichst schnell loswerden kann. Doch dann lernt sie genau dort Henry kennen. Er hat Manieren, ist offensichtlich aus gutem Haus, Geld spielt für ihn keine große Rolle, denn es ist genügend davon da. Er verliebt sich schnell in sie und irgendwie verliebt sich Michelle auch in ihn, obwohl da so viele Unterschiede zwischen ihnen beiden sind. Letztendlich stellt sie sich aber immer wieder die Frage, liebt sie Henry trotz oder wegen seines Geldes?

"Die zweitgrößte Liebe" hat auf den ersten Blick etwas von einer "Pretty Woman"-Geschichte: ein wohlhabender Mann verliebt sich in eine attraktive verschuldete Frau und will ihr ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Nun stimmt hier zwar der Kern der Geschichte, die Umsetzung des Romans ist aber weniger trivial, sondern vielschichtiger, feinsinniger und vor allem psychologischer als ein 90er-Jahre Film. Der Ball fliegt immer wieder zwischen Michelle und Henry hin und her. Beide Charaktere haben ihre Schwächen, man möchte beiden immer wieder auf die Sprünge helfen und viele Blamagen sind absehbar. Nach Ruth-Maria Thomas Debütroman aus  2024, der wahnsinnig gehyped wurde, hatte ich mir von diesem Buch irgendwie etwas mehr erhofft. Das schmälert allerdings nicht das großartige Thema, das nicht als Happy-End-Schnulze sondern als Geschichte mit Substanz umgesetzt wurde.