Gesellschaftskritik trifft Liebesgeschichte

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vo.nicole Avatar

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Ruth Maria Thomas legt nach und veröffentlicht mit „Die zweitgrößte Liebe“ ihren zweiten Roman nach „Die schönste Version“. Im Mittelpunkt steht Michelle, die fern ihrer Heimat als Rezeptionistin einen Neuanfang wagt und dort Henry kennenlernt. Die beiden stammen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Welten – kann das gut gehen?

Der Roman setzt sich mit Themen wie Armut und Reichtum, gesellschaftlichen Klassen und deren Einfluss auf moderne Beziehungen auseinander. Das finde ich grundsätzlich sehr spannend. Für meinen Geschmack greift die Geschichte dabei jedoch stellenweise zu stark auf bekannte Klischees zurück: Michelle wächst bei einer überforderten, alleinerziehenden Mutter auf und übernimmt früh Verantwortung für ihren Bruder, während Henry von Nannys großgezogen wurde, weil seine Eltern Karriere machten und er dadurch aber ein Leben im Überfluss hatte. Auch sprachlich werden diese Gegensätze deutlich. Vor allem Michelles Ausdrucksweise empfand ich teilweise als vulgär – sicherlich bewusst als Stilmittel eingesetzt, für mich aber an manchen Stellen etwas zu viel. Emotional konnte ich mich eher mit Henry identifizieren, während mir Michelle und einige ihrer Verhaltensweisen manchmal etwas zu sehr dem Robin-Hood-Prinzip folgten oder ich auch teilweise gar nicht nachvollziehen konnte.

Der Schreibstil hingegen hat mir sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam, sodass ich es innerhalb von zwei Tagen beendet habe. Zwischendurch plätscherte die Handlung teilweise vor sich hin, insgesamt hat das meinen Lesefluss aber kaum gestört. Besonders zum Ende hin zieht die Spannung noch einmal deutlich an. Das Ende lässt mich etwas zwiegespalten zurück.

Alles in allem ist „Die zweitgrößte Liebe“ ein Roman, der wichtige gesellschaftliche Fragen aufgreift und zum Nachdenken anregt. Mich hat die Geschichte gut unterhalten, auch wenn sie auf mich in manchen Punkten noch nicht ganz ausgereift wirkte.