Ist Liebe trotz Klassenunterschieden möglich?
"Er brauchte sie, damit es funkelte. Und sie brauchte ihn, um ungestört funkeln zu können."
Als Michelles Leben durch die Pandemie aus den Fugen gerät, trifft sie eine schwere Entscheidung und wagt den Neustart in einer großen Stadt. Sie arbeitet im Hotel, steigt schnell auf, lebt in einer winzigen, aber bezahlbaren Kammer. Eines Abends trifft sie Henry - ein Mann, der völlig andere Startmöglichkeiten hatte als sie. Reich geboren, reich geblieben. Die beiden verlieben sich heftig ineinander, und zum ersten Mal scheint ein Leben ohne Geldsorgen möglich zu sein für Michelle. Doch ist Henry wirklich so großzügig, wie der Schein vermuten lässt?
Ruth-Maria Thomas verhandelt auch in ihrem zweiten Roman psychologisch und philosophisch hochinteressante Themen auf Ebene der Paarbeziehung. Die große Frage, die der Roman stellt: Lassen sich Klassenunterschiede in einer Liebesbeziehung je wirklich überbrücken? Oder müssen sich alle Beteiligten dauernd fragen: Ist es Liebe, Glück und Zuneigung, oder schlichtweg Habgier gekoppelt mit Gönnertum? Und genau in diesem riesigen Dilemma befinden sich die beiden frischverliebten Michelle und Henry.
Keiner von beiden meint es böse, keiner von beiden will dem anderen etwas Schlechtes. Und doch steht das große Thema Geld immer zwischen ihnen. Michelle hat keins, Henry zu viel davon. Michelles Sorgen drehen sich beinahe ausschließlich um Geld, Henrys darum, ob er "jemals wieder wirklich lieben kann". Michelle war noch nie wirklich im Urlaub, Henry reist hin, wo es ihm gefällt. Michelle fährt Vespa, Henry Taxi. Und so weiter, und so fort. Mit diesen Alltäglichkeiten zeichnet die Autorin sehr klar nach, wo die Trennlinien verlaufen, die Kluften, die Stolperfallen. Henry kann (oder will?) Michelles Welt nicht verstehen, das Erbe, das sie von ihrer Mutter mitbekommen hat und das sich nicht auf dem Bankkonto zeigt, das traditionelle Fischbrötchenessen an Weihnachten mit ihrem Bruder. Er will sie da rauskaufen, ihr "etwas Besseres bieten", ist felsenfest überzeugt, dass er das kann. Dass sie das braucht und will. Und irgendwie ist das auch so. Aber Henrys Bedingungen werden immer enger.
Und hier setzt das Beklemmende des Romans ein. Obwohl beide, wie gesagt, keine bösen Absichten haben, so sehen sie einander auch nicht klar. Henry spielt sein Rettersyndrom an Michelle aus, will sie fast schon kaufen, will sein Leben mit irgendeinem Sinn füllen, als wäre sie ein Ehrenamtsprojekt. Michelle ist härter, klarer, sie behält sich ihre Weit- und Klarsicht. Sie fühlt sich nie recht wohl in Henrys Welt, mit seiner Familie und seinen Freunden, selbst mit ihm. Und das tut manchmal weh zu lesen. Denn die Vorbehalte loslassen geht nicht, wenn immer die Möglichkeit besteht, dass die Liebe endet, und man als Frau dann wieder mittellos dasteht. Der Roman ist also ein wenig moderne Cinderella, aber als feministischer Klassenkampf.
Thematisch also ein reichhaltiges, nachdenklich machendes Lesevergnügen, das ein wenig dadurch verliert, dass der Schreibstil oft sehr abgehackt wirkt. Hauptsätze werden aneinandergereiht, es wird zwar viel zwischen den Zeilen platziert und Atmosphäre erzeugt, dafür aber oft auch mit leichtem Kitsch gearbeitet, der mir nicht recht gefiel. Gerade auch die angedeutete Ost-West-Thematik hat sich mir nicht so ganz erschlossen - darum muss es bei Klassenunterschieden jetzt ja nicht unbedingt gehen. Stilistisch sicher kein Meisterwerk, aber inhaltlich reich und vielschichtig.
Als Michelles Leben durch die Pandemie aus den Fugen gerät, trifft sie eine schwere Entscheidung und wagt den Neustart in einer großen Stadt. Sie arbeitet im Hotel, steigt schnell auf, lebt in einer winzigen, aber bezahlbaren Kammer. Eines Abends trifft sie Henry - ein Mann, der völlig andere Startmöglichkeiten hatte als sie. Reich geboren, reich geblieben. Die beiden verlieben sich heftig ineinander, und zum ersten Mal scheint ein Leben ohne Geldsorgen möglich zu sein für Michelle. Doch ist Henry wirklich so großzügig, wie der Schein vermuten lässt?
Ruth-Maria Thomas verhandelt auch in ihrem zweiten Roman psychologisch und philosophisch hochinteressante Themen auf Ebene der Paarbeziehung. Die große Frage, die der Roman stellt: Lassen sich Klassenunterschiede in einer Liebesbeziehung je wirklich überbrücken? Oder müssen sich alle Beteiligten dauernd fragen: Ist es Liebe, Glück und Zuneigung, oder schlichtweg Habgier gekoppelt mit Gönnertum? Und genau in diesem riesigen Dilemma befinden sich die beiden frischverliebten Michelle und Henry.
Keiner von beiden meint es böse, keiner von beiden will dem anderen etwas Schlechtes. Und doch steht das große Thema Geld immer zwischen ihnen. Michelle hat keins, Henry zu viel davon. Michelles Sorgen drehen sich beinahe ausschließlich um Geld, Henrys darum, ob er "jemals wieder wirklich lieben kann". Michelle war noch nie wirklich im Urlaub, Henry reist hin, wo es ihm gefällt. Michelle fährt Vespa, Henry Taxi. Und so weiter, und so fort. Mit diesen Alltäglichkeiten zeichnet die Autorin sehr klar nach, wo die Trennlinien verlaufen, die Kluften, die Stolperfallen. Henry kann (oder will?) Michelles Welt nicht verstehen, das Erbe, das sie von ihrer Mutter mitbekommen hat und das sich nicht auf dem Bankkonto zeigt, das traditionelle Fischbrötchenessen an Weihnachten mit ihrem Bruder. Er will sie da rauskaufen, ihr "etwas Besseres bieten", ist felsenfest überzeugt, dass er das kann. Dass sie das braucht und will. Und irgendwie ist das auch so. Aber Henrys Bedingungen werden immer enger.
Und hier setzt das Beklemmende des Romans ein. Obwohl beide, wie gesagt, keine bösen Absichten haben, so sehen sie einander auch nicht klar. Henry spielt sein Rettersyndrom an Michelle aus, will sie fast schon kaufen, will sein Leben mit irgendeinem Sinn füllen, als wäre sie ein Ehrenamtsprojekt. Michelle ist härter, klarer, sie behält sich ihre Weit- und Klarsicht. Sie fühlt sich nie recht wohl in Henrys Welt, mit seiner Familie und seinen Freunden, selbst mit ihm. Und das tut manchmal weh zu lesen. Denn die Vorbehalte loslassen geht nicht, wenn immer die Möglichkeit besteht, dass die Liebe endet, und man als Frau dann wieder mittellos dasteht. Der Roman ist also ein wenig moderne Cinderella, aber als feministischer Klassenkampf.
Thematisch also ein reichhaltiges, nachdenklich machendes Lesevergnügen, das ein wenig dadurch verliert, dass der Schreibstil oft sehr abgehackt wirkt. Hauptsätze werden aneinandergereiht, es wird zwar viel zwischen den Zeilen platziert und Atmosphäre erzeugt, dafür aber oft auch mit leichtem Kitsch gearbeitet, der mir nicht recht gefiel. Gerade auch die angedeutete Ost-West-Thematik hat sich mir nicht so ganz erschlossen - darum muss es bei Klassenunterschieden jetzt ja nicht unbedingt gehen. Stilistisch sicher kein Meisterwerk, aber inhaltlich reich und vielschichtig.