Jetzt schon unter meinen Jahreshighlights

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pageturner91 Avatar

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„Die zweitgrößte Liebe“ heißt Ruth Maria Thomas neues Buch, doch für mich war dieser Roman von der ersten Seite an die ganz große Liebe. Ich habe jede Seite geliebt. Definitiv eines meiner Jahreshighlights! ❤

Nach der Pleite ihres Schmuckgeschäfts lässt Protagonistin Michelle (Anfang 30) ihren großen Traum zurück, steigt auf ihre Vespa und verlässt den Osten. Als Rezeptionistin in einem Hotel prallt sie plötzlich auf westdeutschen Reichtum und auf Henry, der aus genau dieser wohlhabenden Welt stammt. Zwei völlig verschiedene Menschen verlieben sich ineinander, und Michelle taucht ein in ein Dasein ohne Geldsorgen, das sie so nie kannte.

Dieses Buch hat mich komplett eingesogen. Wie schon in „Die schönste Version" ist auch hier Ruth-Maria Thomas' Schreibstil so nah. Mit ihrer feinfühligen Beobachtungsgabe fängt sie die zwischenmenschliche Dynamik zwischen Michelle und Henry großartig ein: Beide bemühen sich aufrichtig, die Welt des anderen zu verstehen und scheitern doch immer wieder an den unterschiedlichen Erfahrungen, die sie geprägt haben.

Selten habe ich so nahbar über Klassismus in einer Beziehung gelesen. Wie verändert Geld unsere Beziehungen? Ist eine Beziehung auf Augenhöhe überhaupt möglich, wenn ein so großes Ungleichgewicht besteht? Dabei geht es Thomas um weit mehr als finanzielle Unterschiede. Sie zeigt eindrucksvoll, wie Herkunft, Sozialisation und Erfahrungen unsere Entscheidungen, Werte und unser Verständnis von Gerechtigkeit formen.

Ich mochte beide Hauptfiguren sehr. Michelle ist eine großartige Protagonistin, die hin und wieder moralische Ansichten vertritt, die ich anders bewerten würde. Doch Thomas schafft es, dass man ihre Gedanken und Perspektive trotzdem sehr gut nachvollziehen kann. Henry ist ebenfalls keine eindimensionale Figur: Manche seiner Gedanke fand ich schwierig, gleichzeitig spürt man, wie ernsthaft er versucht, Michelle ein gutes Leben zu ermöglichen. Gerade dadurch macht der Roman deutlich, dass Liebe allein gesellschaftliche Ungleichheiten nicht auflösen kann.

Ich habe das Buch zugeklappt und denke noch immer viel über die beiden nach. Ganz große Leseempfehlung!