She did it again!

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Ruth Maria Thomas did it again und hat mit „Die zweitgrößte Liebe“ ein absolut glaubwürdiges und authentisches Bild zweier Personen gezeichnet, die aus völlig unterschiedlichen Welten kommen: Michelle ist in prekären Verhältnissen aufgewachsen, all ihre Gedanken drehen sich um Geld und wie sie ihre Schulden begleichen und die Miete für den kommenden Monat auftreiben kann. Als sie die Kosten für ihr Juweliergeschäft nicht mehr stemmen kann, beginnt sie, in einem Hotel zu jobben, wo sie auf Henry trifft. Dieser wuchs sicher und behütet auf, seine Zukunft ist abgesichert und Geldsorgen könnten ihm nicht ferner sein. Die Beziehung der beiden ist geprägt von einem ständigen Ungleichgewicht und trotz der Liebe, die sie füreinander empfinden, fehlt ein grundlegendes gegenseitiges Verständnis. Was ich dem Roman sehr zugute halte ist, dass es keinen Feind gibt. Es ist eine Geschichte über zwei Personen, die ihr bestes versuchen. Beide wollen die Beziehung, dennoch gibt es diese Kluft, die sie trennt.

„Sie fragte sich, wie lange das noch anhielt, diese Faszination für sie, ob sie sich bald erschöpfen würde, und wie sehr es ihr wehtun würde und wie sehr es sie erleichtern würde, wenn es so wäre.“ (S. 131)

Obwohl ich nicht in Michelles Haut stecke und ihre Lebensrealität und die damit einhergehenden Sorgen nur bedingt nachvollziehen kann, habe ich mich dennoch in einigen Beobachtungen wiedergefunden. Als sie beispielsweise im Gespräch mit Henry erklärt, dass sie sich nie sicher sein könnte, ihn aus Liebe und nicht aus Vernunftgründen zu heiraten, war das für mich ein kleiner Aha-Moment. Wie geht man mit einer solchen Situation um, wie kann man sich jemals sicher sein? Und was passiert, wenn die Beziehung doch nicht hält? Für mich war Michelle eine wahre Heldin, die sich selbst nie verloren und sich nie auf der vermeintlichen Sicherheit, die die Beziehung zu Henry beduetet hätte, ausgeruht hat.

Mit „Die zweitgrößte Liebe“ hat Ruth-Maria Thomas einen sehr eindringlichen Roman geschrieben, der Klassismus und soziale Ungleichheiten auf sehr nachvollziehbare Weise schildert. Eine Roman, den ich uneingeschränkt jedem empfehlen kann.