Toller Schreibstil, mitteltolle Ausführung

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emily1997 Avatar

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Ich habe mich sehr auf den zweiten Roman der Autorin gefreut, die mich mit „Die schönste Version“ damals so komplett vom Hocker gerissen hat.
In „Die zweitgrößte Liebe“ (den Titel finde ich leider schon nicht so stark) geht es wieder um ein Liebespaar: Henry und Michelle. Sie kommt aus dem Osten, hat Schulden, ist in Armut aufgewachsen, er ist reicher Akademikererbe mit einem Finance-Job und einer Eigentumswohnung. So weit, so Klischee. Leider schafft es die Autorin nicht, aus diesen klischeehaften Figuren echte Charaktere werden zu lassen. Michelle, oder Mishelle, wie sie eigentlich heißt, ist durchweg unsympathisch, ihre Entscheidungen fragwürdig, ihr Kommunikationsstil katastrophal. Henry ist der arme reiche junge, der einfach nur geliebt werden will und dem es ein bisschen peinlich ist, das seine Freundin arm war. Leider fokussiert sich der Text zu viel auf Michelle und zu wenig auf Henry und vor allem zu wenig auf das, was wirklich dazwischen liegt. Dennoch, der Schreibstil war toll und die Thematik ist wichtig, keine Frage. Nur die Ausführung war leider nur Mittel.