Blutig, brutal, spannend

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coni90 Avatar

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Mit „Dire Bound“ liefert Sable Sorensen einen düsteren, brutalen Fantasy-Auftakt, der mich ehrlich überrascht hat – und zwar positiv.

Schon die ersten Seiten werfen uns mitten ins Geschehen: ein harter Kampf, keine Schonfrist, kein sanfter Einstieg. Genau so ist auch die Welt von Sturmfrost – rau, blutig und gnadenlos. Im Mittelpunkt steht Meryn Cooper, die berüchtigte „Straßenkatze“ des Ostviertels. Sie lebt in bitterer Armut, kämpft im Ring, arbeitet zusätzlich in einer Wäscherei und versucht verzweifelt, genug Geld für die Medikamente ihrer kranken Mutter zu verdienen. Zudem umsorgt sie für ihre jüngere Schwester Saela, für die sie alles tun würde.

Das Worldbuilding ist beeindruckend ausgearbeitet. Sturmfrost befindet sich im Krieg mit den Siphonen aus Astreona – vampirähnliche Wesen, die, wie es heißt, Kinder aus ihren Betten stehlen, um sie als lebende Blutvorräte über die Grenze zu verschleppen.

Blutige Grausamkeit zieht sich durch das gesamte Buch. Gewalt, Kriegshandlungen und blutrünstige Szenen werden nicht beschönigt. Die Welt ist dreckig, brutal, oft erschreckend – und genau das macht sie so spannend und glaubwürdig.

Als Saela eines nachts entführt wird, trifft Meryn eine folgenschwere Entscheidung: Sie verpflichtet sich beim Militär, um an die Front zu gelangen und ihre Schwester zu suchen. Doch zuvor muss sie die berüchtigten Bindungsprüfungen überleben. Hier kommen starke Fourth Wing-Vibes auf – besonders bei den Prüfungen, bei denen tausend Rekrut:innen einen vereisten Berg erklimmen, während oben nur hundert Schattenwölfe warten. Dass sich die Anwärter gegenseitig meucheln, um ihre Chancen zu erhöhen, sagt alles über diese Gesellschaft. Auch im weiteren Verlauf sollte man sich an keine Figur zu sehr gewöhnen.

Das Klassensystem ist gnadenlos: Bürgerliche auf der einen Seite, die privilegierten Gebundenen und ihre Familien auf der anderen. Selbst innerhalb des Militärs ist diese Kluft spürbar. Besonders perfide: Adel und König missbrauchen Rekruten zu ihrer eigenen Belustigung. Diese Aspekte verleihen der Geschichte zusätzliche Schwere.

Meryn selbst ist eine unglaublich starke Protagonistin. Tough, abgeklärt, mit trockenem Humor – aber niemals gefühllos. Ihre Emotionen kommen spürbar rüber, auch wenn ich zu Beginn das Gefühl hatte, dass Gespräche teilweise etwas mehr Tiefe vertragen hätten. Auch manche Beschreibungen hätten anfangs detaillierter sein können. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto stärker wird die Atmosphäre. Ich bin mit jedem Kapitel tiefer eingetaucht.

Eigentlich will Meryn die Bindungsprüfungen nur überleben, um anschließend an die Front zu gelangen. Stattdessen wird sie – gegen ihren Willen – an die mächtige Schattenwölfin Anassa gebunden. Und diese Bindung läuft alles andere als harmonisch. Ihre Ausbildung unter Ausbilder Stark Therion ist hart, gefährlich und geprägt von Misstrauen. An der Akademie erwarten sie Prüfungen, Kämpfe und überraschend viel Luxus – was die Kluft zwischen Arm und Reich noch deutlicher macht.

Was mich besonders begeistert hat: die unvorhersehbaren Twists. Immer wieder nimmt die Geschichte Wendungen, die ich nicht habe kommen sehen. Trotz des eher langsamen Aufbaus passiert unglaublich viel. Es ist dicht, atmosphärisch geschrieben, actionreich und emotional packend.
Dire Bound ist nichts für zarte Gemüter – es ist brutal, blutig und manchmal sogar eklig. Aber genau das passt perfekt zu dieser gnadenlosen Welt.

Band 1 hat mich wirklich positiv überrascht – und ich bin sehr froh, dass ich nicht lange auf die Fortsetzung warten muss!