Behutsam erzählt

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„Ich möchte Ihr Freund sein, platzte es aus ihm heraus. Er wurde knallrot und verstummte.“ Das Bild, das ich nach diesem ersten Satz von Dius habe, wird dem, was kommt, wie sich die Freundschaft zwischen ihm und Anton entwickelt, nicht gerecht. Egidius De Blaeser, wie er mit vollem Namen heißt, ist ein begabter Kunststudent, der alle Konventionen über Bord wirft, als er bei Anton klingelt.

Die Freundschaft, die bald entsteht, ändert sich in Abhängigkeit. Der ältere der beiden fährt zunächst ungern in das Dorfhaus seines jungen Freundes, bald aber weiß er die Ruhe zu schätzen, die ihm dieses Gemäuer bietet. Noch ist Anton verheiratet mit Nouka, sie leben in ihrer Stadtwohnung, an den Wochenenden packt er immer öfter seine Bücher, seine Hefte und Notizen ein, es zieht ihn hinaus aufs Land, er schätzt die stillen Nachmittage und die langen Spaziergänge. Ihr bisheriges Leben, das von Dius und Anton, ändert sich komplett, sie verlieren sich irgendwann aus den Augen, bis sie sich sehr viel später wieder begegnen.

Es ist ein leiser Roman, untermalt von klassischer Musik. Der Autor verrät zu guter Letzt, in welch außergewöhnlicher Umgebung DIUS entstanden ist und wie diese ihre Spuren hinterlassen hat. Er erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, von ihrer tiefen Verbundenheit und von den Jahren danach, von ihren Liebschaften, von schönen und von schmerzhaften Zeiten. Viele Gefühle sind im Spiel, dem Unverständnis folgen Wut und Entrüstung über die sich einschleichenden Lügen, gefolgt von Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, nach der verlorenen Zeit.

Mich hat diese Geschichte nicht mehr losgelassen, habe dem soeben Gelesenen noch lange nachgespürt - dieser so ungewöhnlichen Freundschaft, die zwischendrin so einiges offenbart. „Vieles von dem, was wir in anderen Menschen zu erkennen glauben, ist nur der Widerschein unserer Vorurteile.“ DIUS ist ein Roman, der noch lange nachhallt.