Berührend

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mike nelson Avatar

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Berührend. In "Dius" - des belgischen Autors Stefan Hertmans neuestem Roman - schwingen die tiefgreifenden Emotionen nicht nur zwischen den Zeilen mit, auch nicht nur in den beschriebenen Kunstwerken und auch nicht nur in den während des Erzählens erwähnten Musikstücken; auch die Handlung selbst ist schwermütig und voller Tragik, fast schon depressiv anmutend. Einsamkeit und Lebensschwere. Und Freundschaft als rettender Anker. Anton ist Dozent für Kunst an einer Hochschule, mitten in der Promotion, als einer seiner Studenten, Dius, mit richtigem Namen Egidius De Blaeser, eines Tages bei ihm vor der Tür steht und anbietet, ihm in einem küstennah gelegenen Häuschen eine ruhige Arbeitsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen. Die beiden freunden sich an, führen tiefgreifende Gespräche, beide in unsicheren und sich auflösenden Beziehungen, vernarrt in die Kunst, auf der Suche. Anton eher der Betrachter von Kunst, Dius der Praktiker. Es kommt zu einem Zerwürfnis und Jahre später zu einem überraschenden Wiedersehen. Was mir sehr gefallen hat - die Handlungsdynamik, die der Autor zwischen den Personen entstehen lässt; was mir weniger gefallen hat - die sehr ausführlichen Beschreibungen von Kunstwerken (die einen erheblichen Seitenumfang füllen); selbstverständlich stehen diese Schilderungen genau dieser Kunstwerke auch im Dienste der Geschichte, aber da wäre weniger mehr gewesen, dann hätte der Roman den Charakter einer Novelle bekommen und hätte die volle Punktzahl verdient gehabt!