Hatte mir mehr versprochen
Sarah Tucker lebt mit ihrem Mann Mark in einem beschaulichen Vorort von Oxford. Ihre Rolle als Hausfrau und repräsentative Gattin, die die Gäste ihres karriereorientierten Mannes unterhält, erträgt sie notgedrungen. Doch als bei einer Explosion in der Nachbarschaft die Bewohner des Hauses ums Leben kommen und das vierjährige Mädchen Dinah spurlos verschwindet, bekommt Sarahs Leben eine neue Wendung. Sie empfindet es als ihre Aufgabe, das Mädchen zu finden. Von ihrem Mann erhält sie dafür kein Verständnis, und so holt sie sich die professionelle Hilfe des Privatdetektivs Joe. Doch Joe wird kurz darauf ermordet und auch Sarah fühlt sich bedroht. Mit der früheren Partnerin Joes, der Privatermittlerin Zoë Boehm, macht sich Sarah auf die Suche – und stößt dabei auf Menschen, die angeblich schon gestorben waren, aber auch auf zahlreiche Leichen. Offensichtlich hat der Geheimdienst seine Finger im Spiel. Doch auch hier traut einer dem anderen nicht.
Der Roman trägt unverkennbar Mick Herrons Handschrift: eine komplexe Handlung mit zahlreichen überraschenden Wendungen, bitterböser, schwarzer Humor, witzige Dialoge und sarkastische Bemerkungen. Dennoch konnte mich ,,Down Cemetery Road“ nicht so überzeugen wie die Slow-Horses-Reihe. Nach dem vielversprechenden explosiven Beginn gerät die Handlung etwas ins Stocken, Sarahs Reflexionen und Zweifel bremsen die gerade aufgekommene Spannung wieder aus. Dazu kommen einige unwahrscheinliche Wendungen, die es bei den Slow-Horses zwar auch gibt, dort wirken sie aber unterhaltsamer und weniger konstruiert. Am Ende kommt erst die im Untertitel genannte Zoë Boehm ins Spiel und es kommt wieder mehr Dynamik ins Spiel. Doch auch Sarah Tucker selbst bleibt etwas verschwommen, ihre Motivation nicht ganz nachvollziehbar. Schade, ich hatte mir von diesem Roman mehr versprochen.