Macht schlechte Laune

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buchstabengeflüster Avatar

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Hannah ist ein Workaholic und völlig überarbeitet. Deshalb will sie raus aus der Großstadt und ihrer gewohnten Umgebung und hat sich übers Wochenende ein kleine Hütte am See mitten im Nirgendwo gemietet. Rundherum ist alles mit Schnee bedeckt, in dem ein kleines Mädchen in rotem Mantel tobt.

Da die Protagonistin sich eine Auszeit nimmt, ist es logisch, dass am Anfang des Buches Stress und getrübte Stimmung überwiegen. Es geht ja darum, dass es Hannah nicht gut geht, weshalb sie das Wochenende fernab ihres Alltags verbringt. Die Autorin hat auch richtig schön dargestellt, wie ausgelaugt und unter Strom sich Hannah fühlt. Aber diese negativen Themen kommen immer wieder auf. Kaum genießt Hannah ihr Essen oder die Zeit mit dem kleinen Mädchen, tauchen schon wieder Gedanken an die Arbeit in ihrem Kopf auf. Die kurze Geschichte fängt nicht mit Hannahs gestressten Zustand an, wird immer besser und am Ende fühlt sie sich gelöst… nein, es werden psychisch belastende Themen erwähnt, dann eine positiver Moment oder Gedanke, dann wieder ein negatives Thema, daraufhin etwas Positives, wieder belastende Emotionen, daraufhin etc. Mir hat die Entwicklung gefehlt. Auch Hannahs Entschluss, was sie alles ändern will, wenn sie wieder in ihrem Alltag angekommen ist, ist viel zu leicht gefallen. Ganz ehrlich, ich denke nicht, dass es Hannah nach dem Buch viel besser gehen wird. Mir fehlt das positive Gefühl, mit dem man aus der Geschichte rausgeht. Das Lächeln fehlt, während ich das Buch zuklappe und an Hannah und das kleine Mädchen mitten im Schnee zurückdenke. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es eine Liste mit psychisch belastenden Themen gab, die die Autorin schrittweise abgearbeitet hat, ansonsten wäre auch dieser überraschende Moment über das Thema Ängste zum Ende hin nicht mehr aufgetaucht.

"Die Pflanzen zogen sich zurück, warfen alles ab, was Ballast war, und verbargen ihre zarten Knospen und Triebe, bis der Frühling kam. So überstanden sie die kargen Wintermonate und sammelten Kraft für ein neues Jahr, um umso prächtiger zu blühen, Früchte zu tragen und zu gedeihen. Nur für uns Menschen gab es, so schien es, keinen Winter mehr." S. 142

Ina Bhatter hat eine sehr anschauliche und klare Art zu schreiben, wodurch man sich sehr, sehr gut in Hannahs Gefühlswelt einfühlen kann. Die Geschichte hat sich durch den angenehmen Schreibstil wirklich schnell lesen lassen. Das Aufeinandertreffen von Hannah und dem kleinen Mädchen und ihre glücklichen Momente im Schnee haben mir am besten gefallen. Das Schneinhorn ist eine echt schöne Idee der Autorin bzw. ihren Kindern, wie sie in der Danksagung erwähnt.


Fazit:
„Drei Tage im Schnee“ ist eine sehr anschaulich beschriebene Geschichte mit schönen und spaßigen Momenten im Schnee. Jedoch gibt es keine klare Entwicklung im Gefühlsleben der Protagonistin, sondern immer ein hin und her zwischen positiven und negativen Gedanken. Kaum hatte ich Spaß an der Geschichte, wurde sie mit einem neuen negativen Thema getrübt.