Reise zum inneren Kind

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Das Buch ist wie eine Pause vom alltäglichen Lärm. Es hat keine große Handlung, kein Drama, keinen künstlichen Spannungsbogen. Es ist eher ein leiser Raum, in dem man plötzlich sich selbst sieht und hört. Hannahs Rückzug in diese winterliche Stille wirkt erst wie eine kleine Flucht, fast harmlos, und entwickelt dann eine ganz eigene Tiefe. Der Schnee, die Abgeschiedenheit, die Ruhe – das alles schafft einen Ort, an dem nicht Ablenkung zählt, sondern die eigene, ungeschönte Wahrnehmung.
Was mich besonders berührt hat, ist diese leise Ebene dahinter. Es geht im Kern um das innere Kind. Um das, was man im Erwachsensein oft verliert. Diese natürliche Leichtigkeit, dieses offene, unverstellte Auf-die-Welt-Blicken, diese Fähigkeit, sich einfach zu freuen, ohne Grund, ohne Ziel. Durch die Begegnung mit Sophie und die Stille wird Hannah mit genau diesem Teil von sich selbst konfrontiert. Nicht aufdringlich, nicht pädagogisch, sondern ganz sanft. Eher als Erinnerung als als Botschaft.
Das Buch erklärt nichts, es drängt auch nichts auf. Es zeigt Zustände, Gefühle, innere Bewegungen. Man muss sich darauf einlassen, auf Langsamkeit, auf Unausgesprochenes, auf Zwischenräume. Wer Handlung sucht, wird es vielleicht leer finden. Wer aber offen ist für Stimmungen, für innere Prozesse, für dieses leise Wiederfinden von etwas Verlorenem, wird viel darin entdecken.
Für mich ist es kein Buch, das man verschlingt wie nichts-sagende Romane. Es ist eins, das man fühlt. Still, ruhig, nach innen gerichtet. Und irgendwie bleibt danach dieser Gedanke hängen: Dass Erwachsenwerden nicht bedeuten muss, die Leichtigkeit zu verlieren. Dass man lernen kann, Verantwortung zu tragen, ohne zu verlernen, mit Neugier, Offenheit und Freude auf die Welt zu schauen. Genau das macht das Buch für mich so wertvoll – nicht wirklich spektakulär, aber ehrlich und warm.