Der erste Arbeitstag - ein Abgrund

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Inhalt
Xuan Ji tritt seinen neuen Job beim »Nationalen Amt für die Verwaltung und Kontrolle von paranormalen Phänomenen und speziellen Spezies« an, in den er eher zufällig geschlittert ist. Bereits an seinem ersten Tag geht es hoch her: Es wurde ein Wiedergänger durch das magische Schattenritual beschworen. Dämon Sheng Lingyuan hat vor dreitausend Jahren als Kaiser von China das Überleben der menschlichen Spezies durch einen blutigen Krieg mit den Yao und seine eigene Opferung gesichert. Mit einem Team, das er nicht kennt, muss Xuan Ji nicht nur den Dämon bändigen, sondern ebenfalls herausfinden, wer ihn beschworen hat. Doch im Amt ist nicht alles, wie es scheint – zudem hat auch Xuan Ji Gründe, im Geheimen zu verbleiben.


Meinung
Dieser erste von insgesamt vier Bänden (der zweite ist bereits übersetzt angekündigt) spielt in der gleichen Welt wie die „Guardian“-Reihe der Autorin. Es gibt ein Wiedersehen mit einer der Hauptfiguren. Allerdings ist es nicht notwendig, die andere Serie gelesen zu haben, um mit dieser hier zu beginnen. Was aber auffällt, wenn man sie kennt, ist, dass die Autorin ihre Welt stärker ausgebaut hat. Ich war von vielen neuen Einzelheiten und Ideen sehr überrascht, nicht zuletzt davon, wie das Amt zu betreten und wie es innen ausgestattet ist. Hier warten zukünftig sicher noch einige Überraschungen auf die Leser.
Dennoch muss ich gestehen, dass ich nach dem Start dieser neuen Reihe keinerlei Impuls verspüre, auch nach den Folgebänden zu greifen. Dabei sind die Bücher recht hübsch aufgemacht: farbiger Buchschnitt, Innenillustrationen. Auf all das würde ich sehr gern zugunsten des Buchpreises verzichten; ein Buch kostet fünfundzwanzig Euro, das macht mal vier genau einhundert Euro. Dafür muss aber der Inhalt stimmen. Auch wenn das hier der Start in eine Story ist, die sich auf mehrere Bücher erstreckt, findet das Geschehen an nur einem Tag statt, was dem Leser keine Zeit gibt, den Figuren nahezukommen. Zwar baut die Autorin etliche Infos ein, aber leider nur als Infodump und tell. Xuan Ji wird bereits am Anfang genauso vorgestellt, mit der Erklärung, wie er zum Amt gekommen ist und einem Abriss seines bisherigen Lebenslaufes. Da ist er bereits im Amt. Sein erster Tag wird das gesamte Buch einnehmen.
Obwohl die Autorin etliche Wendungen eingebaut hat, kommen diese nicht zum Zuge, eben weil der Leser die ganzen Figuren nicht kennt und damit nicht emotional dabei ist. Zudem hatte ich das Gefühl – als jemand, der gern in asiatische Phantastik und auch filmische Umsetzungen hineinliest und –schaut –, dass sich die Autorin von anderen hat sehr stark inspirieren lassen. Zusammengenommen ist der Beginn des Buches zwar recht spannend gelungen, verliert sich aber zunehmend in Zähigkeit.
Xuan Ji ist noch der einzige Charakter, der überhaupt einen solchen besitzt. Alle anderen Figuren bis auf den Dämon treten viel zu wenig in Erscheinung, als dass sie eine Rolle spielen würden. Die Klischees, die die Autorin hierbei mit eingebaut hat, besonders das Team rund um Xuan Ji betreffend, sind mir ehrlich gesagt recht sauer aufgestoßen.
Sheng Lingyuan, wie er sich selbst nennt – das ist nicht der Name des einstigen Kaisers –, ist verwirrend gemacht worden. Ich habe lange nicht durchschauen können, ob er nun eben dieser Kaiser ist oder der besagte beschworene Dämon. Ehrlich gesagt weiß ich das immer noch nicht. Sind es zwei Personen oder nur eine? Am Ende des Tages werden beide in eine Art Höhlensystem verschlagen, wo es etliche Erinnerungen an das Leben des Kaisers gibt. Die sind interessant und sollen wohl Mitgefühl für ihn erregen, aber was sie mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, hat sich mir nicht erschlossen. Man kann diese Story rund um die beiden wohl erst so richtig beurteilen, wenn man alle Bücher gelesen hat, sollten sie übersetzt werden. Dass beide jungen Männer sich bisher noch nicht nahekommen, liegt auf der Hand. Buch 1 ist ein erstes Kennenlernen. Es gibt Andeutungen, dass beide sich einst kannten und quasi wiedergeboren sein könnten, aber bisher ist das nichts Halbes und nichts Ganzes.
Was ich gut gemacht fand, waren die Ideen rund um das alles herum. Der Trugfalter in etwa und die kleine Story, die die Autorin hierherum gestrickt hat. Ob das jedoch weitere fünfundsiebzig Euro wert ist, wage ich zu bezweifeln. Schade, schade. Als Taschenbuch würde ich nicht zögern und in jedem Fall weiterlesen, auch wenn sich die Story nicht weiterentwickeln sollte. Aber so viel Geld nur für ein buntes Buch mit drei Bildchen darin? Nein danke.